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Vollständige Version anzeigen : Fiats Probleme Pt.4659


Oliviero
09.10.2002, 12:33
Aus dem heuteigen österreichischen Kurier:

Fiat-Krise bringt Italien ins Schleudern

Rom - Italien befürchtet verheerende Effekte aus der Fiat-Krise auf die nationale Wirtschaft. Die Entlassungswelle bei dem Turiner Autokonzern wird laut Gewerkschaften voraussichtlich 7.000 Arbeitsplätze kosten. Unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die von Fiat abhängige Zuliefer-Industrie wären sogar 10.000 Arbeitsplätze betroffen. Die Folgen für das bereits belastete Wirtschaftsszenario in Italien scheinen dramatisch.

"Italiens Autoindustrie stirbt"

"Die Krise von Italiens größter Privatgruppe könnte einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 0,4 Prozent bewirken", schätzt Vize-Schatzminister Mario Baldassarri. Die italienischen Medien schlagen Alarm: "Italiens Autoindustrie stirbt", titelten einige Zeitungen am Dienstag.

Regierung als Airbag

Während die Gewerkschaften dem für Mittwoch-Nachmittag geplanten Treffen mit Fiat-Chef Paolo Fresco entgegenfiebern, bei dem der Konzern seinen radikalen Sanierungsplan vorstellen wird, erwägt die italienische Regierung Maßnahmen, um dem Unternehmen unter die Arme zu greifen, ohne die europäischen Wettbewerbsrichtlinien zu verletzen.
Die Regierung will zwischen 13,8 und 19 Milliarden Euro für klimafreundliche Maßnahmen im Energiesektor und Verkehr investieren. Italiener sollen damit bewegt werden, 11,5 Millionen alte Pkw durch "Ökoautos" zu ersetzen. Diese Maßnahme soll zusammen mit den im Juli verabschiedeten Steuerbegünstigungen zum Kauf neuer Pkw zu einer wesentlichen Modernisierung der italienischen Autos beitragen.

Traditionsunternehmen

Ob diese Initiative allein genügen wird, um Fiat aus der tiefsten Krise seiner 103-jährigen Geschichte zu retten, ist höchst fraglich. Die Gewerkschaften zweifeln stark daran. "Noch ist unklar, ob die Fiat-Besitzer noch an diesen Konzern glauben und noch auf Entwicklung setzen wollen, oder ob sie bereits kapituliert haben. In diesem Fall wird der Verkauf an General Motors unvermeidbar sein", so der Chef des stärksten italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL, Guglielmo Epifani.


...und was sagt uns das, außer daß das das Sterben unserer alten "nimmer zeitgmäßen" Alfas weiter forciert? (Toll, ein Satz mit 3x daß/s hintereinander und einem vierten davor !freu! )?

Ciaoliviero

andras
09.10.2002, 15:05
Das sagt es uns.....

Zuletzt war Fiat von Renault und den japanischen Produzenten überholt worden. In den letzten Wochen hat der neue Vorstandschef des Gesamtkonzerns, Gabriele Galateri di Genola, eine Sanierung der Autosparte zur Bedingung für deren langfristigen Verbleib unter dem Konzerndach gemacht. Fiat verfügt von 2004 bis 2009 über eine Verkaufsoption für den Autobereich an den strategischen Partner General Motors. GM besitzt heute bereits 20 % von Fiat-Auto.

Quelle: Handelsblatt


HANDELSBLATT, Donnerstag, 26. September 2002, 10:12 Uhr

Und das......

Wie es am Montag in Turin weiter hieß, wird das Unternehmen auch einen so genannten „Krisenstatus“ nach italienischem Recht ausrufen. Das erlaubt es dem Konzern, einzelne Fabriken bis zu einem Jahr zu schließen. Fiat wird davon wahrscheinlich bei zwei Produktionsstätten in der Nähe von Mailand und in Sizilien Gebrauch machen. Fiat hatte bisher versucht, seine Absatzprobleme mit Kurzarbeit in den Griff zu bekommen. Weil die Verkaufszahlen noch immer nicht nach oben gehen, muss der Konzern Fabriken länger schließen.

Der Abbau von Arbeitsplätzen wird wahrscheinlich alle Ebenen treffen: Nach unbestätigten Informationen aus der Branche müssen 3 000 Mitarbeiter aus der Produktion gehen. Außerdem sind 3 000 Angehörige der Verwaltung betroffen. Zudem müssen sich voraussichtlich auch 300 Top-Manager darauf einstellen, dass sie ihre Papiere bekommen werden. Die Personalabteilung hat bereits damit begonnen, betroffenen Managern Abfindungsangebote zu machen. Offiziell wollte Fiat am Montag zu diesen Zahlen keine Stellung beziehen; unternehmensnahe Kreise bestätigten die Informationen jedoch.

Am Ende könnte Fiat sogar bis zu 8 000 Arbeitsplätze streichen, wenn einzelne Fabriken komplett aufgegeben werden – fast 15 % der kompletten Fiat-Belegschaft. In Italien arbeiten für Fiat Auto etwa 36 000 Menschen, weltweit sind es 50 000. Für Mittwoch ist ein Treffen zwischen der Konzernspitze und führenden italienischen Gewerkschaftsvertretern angesetzt. Bereits am Montag hatte Fiat den Regionalpräsidenten der Region Piemont (vergleichbar einem deutschen Ministerpräsidenten) und den Turiner Oberbürgermeister über die neuen Restrukturierungspläne des krisengeschüttelten Konzerns informiert.

In Bezug auf mögliche Staatshilfen für den größten Industriekonzern Italiens kommen unterschiedliche Signale aus der Regierung in Rom. Industrieminister Antonio Marzano hatte am Wochenende Subventionen eine klare Absage erteilt. Beihilfen seien nicht mit europäischen Regelungen vereinbar.

Quelle: Handelsblatt


HANDELSBLATT, Montag, 07. Oktober 2002, 18:35 Uhr

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Ich frag mich blos ..welcher Italiener kann noch einen Fiat kaufen wenn der dazu gehörige Arbeitsplatz außerhalb der EU ist ....???


cu

ahofer
09.10.2002, 15:21
Original geschrieben von andras
Ich frag mich blos ..welcher Italiener kann noch einen Fiat kaufen wenn der dazu gehörige Arbeitsplatz außerhalb der EU ist ....???


Das gleich gilt für uns Deutsche.
BTW: BMW bilanziert die Verkäufe seiner Autos an die Händler und nicht die Verkäufe an den Endkunden. Deshalb geht's BMW auch so gut, wogegen die grossen Händler bis zu 300 Autos auf Halde haben.

Bevor jetzt wieder einer schimpft, ich bin der festen Überzeugung das hat alles mit dem Platzen des überhitzen Aktienmarktes zu tun, nicht mit der Regierung. Viele haben ihr letztes Erspartes in Aktien investiert und auch noch Kredite aufgenommen. Wo soll da noch das Geld für den Kauf von Güter ausserhalb des täglichen Bedarfs herkommen, also Autos?

andras
09.10.2002, 16:01
Original geschrieben von ahofer


Bevor jetzt wieder einer schimpft, ich bin der festen Überzeugung das hat alles mit dem Platzen des überhitzen Aktienmarktes zu tun, nicht mit der Regierung. Viele haben ihr letztes Erspartes in Aktien investiert und auch noch Kredite aufgenommen. Wo soll da noch das Geld für den Kauf von Güter ausserhalb des täglichen Bedarfs herkommen, also Autos?


Na denn....guckst du hier

BÖRSENCRASH

"Helfen kann nur eine riesige Pleitewelle"

Nach Überzeugung des Vermögensberaters Jens Ehrhardt hat der Börsencrash auf Raten gravierendere Ursachen als die pessimistische Stimmung der Anleger. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE führt der Finanzexperte den Niedergang auf die hohe Verschuldung zurück. Verantwortlich dafür sei US-Notenbank-Chef Alan Greenspan.


DDP

Macht die Überschuldung als Ursache der Börsenbaisse aus: Vermögensverwalter Ehrhardt


SPIEGEL ONLINE: Ist bei der Entwicklung der Aktienkurse allmählich der Boden in Sicht?
Jens Ehrhardt: Auf kurze Sicht kann man das nicht so genau sagen. Auf mittlere und lange Sicht bin ich sehr pessimistisch. Denn die wirtschaftlichen Rahmendaten stimmen nicht. Egal ob Unternehmen oder ganze Volkswirtschaften - wo man hinschaut, findet man riesige Schuldenberge. Die kamen nicht zuletzt deshalb zusammen, weil sich die Anleger angesichts der Höhenflüge der Börsenkurse vor zwei Jahren reich gefühlt haben. Und wenn ich mich reich fühle, dann kaufe ich mir ein Auto oder dies und jenes - in der Regel auf Kredit. Für den Einzelnen mag das angehen, wenn man die Volkswirtschaft insgesamt betrachtet, ist das natürlich verheerend, denn die Überschuldung wächst ins Unermessliche.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie damit sagen, wir haben in den letzten Jahren so weit über unsere Verhältnisse gelebt, dass wir das jetzt erst einmal zurückzahlen müssen?

Ehrhardt: Betrachten Sie die USA. Auf deren Volkswirtschaft - öffentliche Hand, Unternehmen und Privathaushalte - lastet ein Schuldenberg in Höhe von 30.000 Milliarden Dollar. Das ist praktisch dreimal so viel wie das Bruttoinlandsprodukt und kostet rund 2000 Milliarden an Zinsen im Jahr. Wie ernst die Situation ist, lässt sich daran erkennen, dass die Summe aller in der US-Wirtschaft aufgenommen Kredite in den letzten Jahren ungefähr genau so hoch war. Die USA sind also faktisch pleite. Ein Unternehmen müsste jedenfalls Insolvenz beantragen, wenn seine Schulden so hoch sind wie der Jahresumsatz. Eine höhere Relation konnten sich zeitweise lediglich einige Telekommunikationsunternehmen leisten.

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Zu guter letzt ....die Zusammenhänge sind sicher etwas Komplizierter als das alles an der Börse und den USA hängt.

Da gibt es noch die Globalisierung wo billige Arbeitskräfte Ihren Output nach EU drücken.Oder sagen wir es mal so der Markt für einen z.b DB-Vito ist in EU , doch wer soll bald noch einen kaufen können wenn es kein Vernünftiges Bruttosozialprodukt mehr in EU gibt.---einfach gesagt das Kapital frisst seinen eigenen Kunden -----

cu andras

ahofer
10.10.2002, 07:14
Original geschrieben von andras
---einfach gesagt das Kapital frisst seinen eigenen Kunden -----


Das hat ja schon was von den guten alten Marx und Engels!

Im Prinzip meine Aussage, keiner hat mehr Geld, alles wurde auf kredit gekauft. Und was hat als Sicherheit für den Kredit gedient - das Aktienpaket, dass jetzt nix mehr wert ist.

Mich freut's bloss, dass auch viele Banker und Makler selber reingefallen sind.
Gibt da einen schönen Spruch: "Wenn Ihr Börsenmakler so gut ist, wie er behauptet, warum arbeitet er dann noch und ist nicht längst auf den Bahamas?"

BTW: ich hab auch noch 50 ATOSS-Aktien (war die Mutter meiner Ex-Firma), damals zu 30,- EURO gekauft (grosse Versprechungen), heute nicht mal ein Drittel wert - Sch... Laden!
Okay - immer noch besser als Telekom, Ihr Armen.

rastapopolous
10.10.2002, 07:27
Was wird mit ALFA passieren?

PS.: Und was mir FIAT?

andras
10.10.2002, 12:33
Original geschrieben von rastapopolous
Was wird mit ALFA passieren?

PS.: Und was mir FIAT?


Wenns reicht.....müßte die Divisione.....aus dem Fiat -Konzern ausgegliedert werden.Zu Zeit ist Alfa der einzige Zweig in der Auto-Sparte der Gewinn ausweist.Dadurch könnte man AR dem gierigen Griff der Amis entziehen.

Was Fiat betr. ....so sieht die Zunkunft sehr schlecht aus.Bänker,Teilhaber und Investoren wollen die Autosparte dichtmachen.Lediglich der Patrone versucht noch das Herzstück seiner FA. zu Retten.Für Turin und Umgebung wäre ein Schließen der Autosparte eine Katastrophe.Bisher hat der Italenische Staat aber noch keine Signale gesetzt das man dem Angeschlagenen Konzern helfen mächte. ( Nich jedes Land hat seinen Münchhausen) .

cu
andras

BerndG
10.10.2002, 21:57
Original geschrieben von andras


Was Fiat betr. ....so sieht die Zunkunft sehr schlecht aus.Bänker,Teilhaber und Investoren wollen die Autosparte dichtmachen. Lediglich der Patrone versucht noch das Herzstück seiner FA. zu Retten.


Vielleicht noch ergänzend: Aus meiner Sicht wurde die Fiat-Krise vor allen Dingen durch die Uneinigkeit im Agnelli-Clan verschärft und beschleunigt. Während der 'alte Herr' (Giovanni (Gianni) Agnelli) an der Fiat-Tradition festhalten und weiter PKW's in Massen fertigen möchte, scheinen jüngere Mitglieder des Clans ganz andere Ansichten zu vertreten: Weg mit dem 'Auto-Krempel', der wirft selbst in guten Zeiten keine richtige Rendite ab, stattdessen Focussierung auf renditestarke Geschäftsfelder (Finanz-Dienstleistung, Medien, Telekommunikation etc.); was das PKW-Geschäft betrifft, so reichen Ferrari/Maserati vollkommen. Der Deal mit GM tat ein Übriges um Fiat-Auto in die Negativschlagzeilen zu bringen - den Widersachern von Gianni Agnelli kam das sicher entgegen; die Zeit spielt ohnehin gegen Fiat-Auto. Gianni Agnelli wird altersbedingt früher oder später nachgeben müssen und dann wird Fiat-Auto verscherbelt - einschließlich der Marken Alfa und Lancia. Was danach passiert, dürfte ebenfalls klar sein: Die Marke Fiat wird 'abgewickelt' und als Billigmarke ohne eigenes Profil plaziert. Lancia wird 'eingefroren', der Verkauf von Lancia-Fahrzeugen eingestellt. Alfa wird sukzessive seiner italienischen Wurzel beraubt und nach ein paar Jahren in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Das Management wird dieses unter 'Marktkonsolidierung' abhaken und sich anderen Dingen widmen. Wie auch immer - vermutlich muss es erst zu einem derartigen Desaster kommen, bis die Welt merkt, dass die Automobilwelt ohne PKW's aus italienischer Massenproduktion um einiges ärmer wird. Vielleicht findet sich sogar jemand, der mit den Marken Alfa und Lancia einen Neustart wagt und mit exklusiven PKW's aus Italien auf eine vom Einheitsbrei gelangweite Kundschaft abzielt.

PS: Wie Porsche zeigt, kann auch ein kleiner und unabhängiger Automobilhersteller äusserst profitabel arbeiten.

156pilot
10.10.2002, 23:04
@BerndG
Zum P.S.
Warum Porsche profitabel ist bleibt nun noch als Gretchenfrage.
Alfa ist eine gewisse Exklusivität nicht abzuschreiben was aber eher am bescheidenene Marktanteil liegt, als am guten Image. Porsche hat seit jeher den Ruf eines exclusiven Herstellers, da haben auch der VW-Porsche und der 924/944 (Hausfrauenporsche) nichts daran geändert. Deshalb, und auf Grund der relativ geringen Stückzahlen weltweit kann Porsche diese Preise verlangen. Man sollte keine Äpfel mit Birnen vergleichen.

AR ist aber im Gegensatz zu Porsche ein Massenhersteller, und kann nicht ohne weiteres zum Luxusanbieter umgemünzt werden. Dies müsste noch radikaler gechehen als es bei VW zur Zeit betrieben wird(Phaeton, Touareg, Wegfall des Lupo). Nur das VW noch andere (funktionierende) Marken als Stütze für solche Experimente hat.
Auch wird wohl niemand so einen langen Atem haben um das Selbe mit Alfa zu versuchen. Wie ungeduldig GM ist kann man ja am Personalkarusell bei Opel sehen.
Preisfrage Luxusauto.
Alfa ist jetzt schon auf dem Weg zu den Premiumherstellern aufzuschließen (preislich leider schneller als qualitativ). Es fehlen jedoch Prestigemotoren, die solche Preissprünge (mit)berechitigen. BMW zum Beispiel hat im Vergleich mit AR in jeder vergleichbaren Kategorie mehr zu bieten was Motor, Antiebsart und Karosserievarianten betrifft. Auch wird viel mehr zur Individualisierung angeboten (Farben, Interieur´s) . Audi kann seit 2 Jahren sogar jeden erdenklichen Farbton auf Wunsch liefern
Das Alles fehlt AR zum größten Teil.