Feuerstein
13.09.2002, 12:19
Hallo,
ich habe in der Süddeutsche Zeitung vom 7./8.9.02 folgenden Artikel über Autofahren in München gefunden, den ich insbesondere den Alfa-fahrenden Forums-Mitgliedern nördlich des sogenannte "Weißwurst-Äquators" nicht vorenthalten möchte. Viellecht kann der Artikel ja auch als Hilfe bei der Entscheidung Stoiber oder Schröder dienen.
Die seltsamen Methoden des Machismo Monaco
Der Münchner gilt rundum ja als Inbegriff der Gemütlichkeit-eine Wesensart, die manche auch als Behäbigkeit definieren. Er sitzt stundenlang im Wirtshaus vor seinem Maßkrug, ohne sich oder sein Mundwerk groß zu bewegen; und sollte er den Weg dorthin zu Fuß zurückgelegt haben, tat er dies sicherlich in aller Gelassenheit. Der Marsch zurück nach Hause geht dann zwangsläufig noch langsamer vonstatten. So kennt man den Münchner. So mag man ihn - oder auch nicht.
Wer sich nun, beispielsweise nach einem längeren Amerika-Aufenthalt vom im weit entfernten Moor liegenden Flughafen München der Stadt nähert, wird einige seltsame Erfahrungen machen. Diese Erfahrungen sind allesamt automobilistischer Art und lösen früher oder später den hochdramatischen Schreckensruf aus: "Ja sind denn alle hier verrückt?" Denn wer versucht sich mit der in den Staaten gepflegten gelassenen Art des Autofahrens - man denke nur an die dort prächtig funktionierende Kreuzungsregelung "first come first go" - in München durch den Verkehr zu lavieren, wird bald eingekreist sein von gen Himmel gereckten Mittelfingern, wutentbrannten Gesichtern, Verwünschungen, schreienden Mündern, gellenden Hupen. Denn Autofahren an der Isar hat mit Autofahren anderswo so wenig zu tun wie Boxen mit Schmetterlingsfang.
Kurz: Der Münchner Autofahrer gilt gemeinhin als Rüpel. Was natürlich völliger Blödsinn ist. Denn wenn sich in München ein Autofahrer rüpelhaft benimmt, kommt er mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit aus Dachau, Ebersberg oder Fürstenfeldbruck, also aus Orten drumherum. Möglicherweise auch aus Österreich.
In Wahrheit ist München für den Autofahrer ein Paradies. Und dies hat mehrere Gründe. Zum einen die schon erwähnte Gemütlichkeit, unterstützt von kommunal gesteuerter Verkehrsführung, die jeden Anflug von Auto-Fahren im Keim erstickt. Zum anderen eine gewisse Art von Höflichkeit, die wenn sie sich dann irgendwann auch dem Zuagroasten (bayrisch für Fremder) erschließt, von diesem sofort nachgeahmt wird. Diese Höflichkeit wird kombiniert mit einer Art levantischen Übermuts, der sich ab und an Bahn bricht durch rasantes Wechseln der Spur, auch wenn´s nichts nützt. Doch der Reihe nach.
Weil der Münchner so gemütlich ist, braucht er dafür ein gewisses Äquivalent. Dazu dient ihm meist der BMW; der Daimler kommt nämlich aus Schwaben, und das ist Feindesland. Sitzt er also in seinem Gefährt mit der Doppelniere, denkt er an den Spruch von der "Freude am Fahren" - und freut sich. Darüber , dass er an der Ampel schneller wegkommt als der mickrige Alfa aus Nürnberg. Darüber, dass er durch einen geschickten Schlenker dem schwarzen Golf die Pole-Position beim nächsten Rot abgejagt hat. Darüber, dass er jene Dame im Citroen ganz schön alt hat aussehen lassen, weil diese sich doch allen Ernstes rückwärts in jene Parklücke hätte quälen wollen, in der er nach schneidigem Vorwärtsgekurve bereits drinsteht. Ein bisserl sportlich sollte man schon sein. Selbstverständlich sagt man dann zu der noch immer sprachlosen Dame: "Fahren S´doch ins Parkhaus, da können S´auch rückwärts einparken..."
Solcherart schnelles Denken und Handeln hat seine Ursache auch darin, dass, wer normal fährt, in dieser Stadt binnen Kürze an den Rand eines Nervenzusammenbruchs getrieben wird. Ein paar signifikante Beispiele: Wer glaubt, mit Tempo 50 durch die Lindwurmstraße stadtauswärts fahren zu können, wird bitter bestraft. Er lernt schnell, dass er entweder mit 80 durchzurasen hat, um die Grünphase zu erhaschen, oder mit etwa 20 km/h zuckeln darf, um Selbiges zu erreichen. Wunderbare Effekte auch in der Dachauer Straße auswärts zwischen Stiglmaierplatz und Wintrichring: Egal wie man fährt, es ist immer Rot an einer der gut zehn Ampeln - und als besondere Finesse gilt die Kreuzung Dachauer-/Heideckstraße, weil hier die Überholspur ohne große Ankündigung in die Linksabbiegespur führt. Weswegen der Kundige hier -und in allen anderen vergleichbaren Situationen - möglichst lange links fährt, um kurz vor der Ampel mit einem kühnen Rechtsausfall in eigentlich nicht vorhandene Lücken zu stoßen. Macht mindestens 25 Autos Vorsprung auf dem Weg nach Westen. Nicht ohne kurz die Hand zum Gruße nach hinten zu heben, weil dies ja Ausdruck dieser gewissen Höflichkeit ist.
Nun noch zur Levante und deren Lebensart, die dem Bewohner der nördlichsten Stadt Italiens - dort Monaco genannt- ja in die Wiege gelegt ist. Spötter behaupten, es handle sich um die Variante des Machismo, was aber natürlich nicht stimmt, selbst wenn man diese Ausprägung bei weiblichen Autofahrern eher kaum findet. Wer jemals in Rom, Neapel oder Athen am Steuer gesessen hat, weiß um das Glücksgefühl, wenn einem alle Regeln total egal sein dürfen. Während aber in obig erwähnten Städten alles deswegen so perfekt funktioniert, weil sich jeder an die Regel hält, dass Regeln nichts gelten, hält sich in München zwar keiner an die Regeln, erwartet vom jeweils anderen aber genau das Gegenteil.
Alles führt zu der Erkenntnis, dass der München-Besucher am besten sein Auto am Stadtrand abstellt und U-Bahn fährt. Oder dass er, für den Fall, er trüge sich mit der Absicht, hier zu siedeln, ein Fahrertraining absolviert. BMW bietet solche Kurse an.
Gruß
Feuerstein
ich habe in der Süddeutsche Zeitung vom 7./8.9.02 folgenden Artikel über Autofahren in München gefunden, den ich insbesondere den Alfa-fahrenden Forums-Mitgliedern nördlich des sogenannte "Weißwurst-Äquators" nicht vorenthalten möchte. Viellecht kann der Artikel ja auch als Hilfe bei der Entscheidung Stoiber oder Schröder dienen.
Die seltsamen Methoden des Machismo Monaco
Der Münchner gilt rundum ja als Inbegriff der Gemütlichkeit-eine Wesensart, die manche auch als Behäbigkeit definieren. Er sitzt stundenlang im Wirtshaus vor seinem Maßkrug, ohne sich oder sein Mundwerk groß zu bewegen; und sollte er den Weg dorthin zu Fuß zurückgelegt haben, tat er dies sicherlich in aller Gelassenheit. Der Marsch zurück nach Hause geht dann zwangsläufig noch langsamer vonstatten. So kennt man den Münchner. So mag man ihn - oder auch nicht.
Wer sich nun, beispielsweise nach einem längeren Amerika-Aufenthalt vom im weit entfernten Moor liegenden Flughafen München der Stadt nähert, wird einige seltsame Erfahrungen machen. Diese Erfahrungen sind allesamt automobilistischer Art und lösen früher oder später den hochdramatischen Schreckensruf aus: "Ja sind denn alle hier verrückt?" Denn wer versucht sich mit der in den Staaten gepflegten gelassenen Art des Autofahrens - man denke nur an die dort prächtig funktionierende Kreuzungsregelung "first come first go" - in München durch den Verkehr zu lavieren, wird bald eingekreist sein von gen Himmel gereckten Mittelfingern, wutentbrannten Gesichtern, Verwünschungen, schreienden Mündern, gellenden Hupen. Denn Autofahren an der Isar hat mit Autofahren anderswo so wenig zu tun wie Boxen mit Schmetterlingsfang.
Kurz: Der Münchner Autofahrer gilt gemeinhin als Rüpel. Was natürlich völliger Blödsinn ist. Denn wenn sich in München ein Autofahrer rüpelhaft benimmt, kommt er mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit aus Dachau, Ebersberg oder Fürstenfeldbruck, also aus Orten drumherum. Möglicherweise auch aus Österreich.
In Wahrheit ist München für den Autofahrer ein Paradies. Und dies hat mehrere Gründe. Zum einen die schon erwähnte Gemütlichkeit, unterstützt von kommunal gesteuerter Verkehrsführung, die jeden Anflug von Auto-Fahren im Keim erstickt. Zum anderen eine gewisse Art von Höflichkeit, die wenn sie sich dann irgendwann auch dem Zuagroasten (bayrisch für Fremder) erschließt, von diesem sofort nachgeahmt wird. Diese Höflichkeit wird kombiniert mit einer Art levantischen Übermuts, der sich ab und an Bahn bricht durch rasantes Wechseln der Spur, auch wenn´s nichts nützt. Doch der Reihe nach.
Weil der Münchner so gemütlich ist, braucht er dafür ein gewisses Äquivalent. Dazu dient ihm meist der BMW; der Daimler kommt nämlich aus Schwaben, und das ist Feindesland. Sitzt er also in seinem Gefährt mit der Doppelniere, denkt er an den Spruch von der "Freude am Fahren" - und freut sich. Darüber , dass er an der Ampel schneller wegkommt als der mickrige Alfa aus Nürnberg. Darüber, dass er durch einen geschickten Schlenker dem schwarzen Golf die Pole-Position beim nächsten Rot abgejagt hat. Darüber, dass er jene Dame im Citroen ganz schön alt hat aussehen lassen, weil diese sich doch allen Ernstes rückwärts in jene Parklücke hätte quälen wollen, in der er nach schneidigem Vorwärtsgekurve bereits drinsteht. Ein bisserl sportlich sollte man schon sein. Selbstverständlich sagt man dann zu der noch immer sprachlosen Dame: "Fahren S´doch ins Parkhaus, da können S´auch rückwärts einparken..."
Solcherart schnelles Denken und Handeln hat seine Ursache auch darin, dass, wer normal fährt, in dieser Stadt binnen Kürze an den Rand eines Nervenzusammenbruchs getrieben wird. Ein paar signifikante Beispiele: Wer glaubt, mit Tempo 50 durch die Lindwurmstraße stadtauswärts fahren zu können, wird bitter bestraft. Er lernt schnell, dass er entweder mit 80 durchzurasen hat, um die Grünphase zu erhaschen, oder mit etwa 20 km/h zuckeln darf, um Selbiges zu erreichen. Wunderbare Effekte auch in der Dachauer Straße auswärts zwischen Stiglmaierplatz und Wintrichring: Egal wie man fährt, es ist immer Rot an einer der gut zehn Ampeln - und als besondere Finesse gilt die Kreuzung Dachauer-/Heideckstraße, weil hier die Überholspur ohne große Ankündigung in die Linksabbiegespur führt. Weswegen der Kundige hier -und in allen anderen vergleichbaren Situationen - möglichst lange links fährt, um kurz vor der Ampel mit einem kühnen Rechtsausfall in eigentlich nicht vorhandene Lücken zu stoßen. Macht mindestens 25 Autos Vorsprung auf dem Weg nach Westen. Nicht ohne kurz die Hand zum Gruße nach hinten zu heben, weil dies ja Ausdruck dieser gewissen Höflichkeit ist.
Nun noch zur Levante und deren Lebensart, die dem Bewohner der nördlichsten Stadt Italiens - dort Monaco genannt- ja in die Wiege gelegt ist. Spötter behaupten, es handle sich um die Variante des Machismo, was aber natürlich nicht stimmt, selbst wenn man diese Ausprägung bei weiblichen Autofahrern eher kaum findet. Wer jemals in Rom, Neapel oder Athen am Steuer gesessen hat, weiß um das Glücksgefühl, wenn einem alle Regeln total egal sein dürfen. Während aber in obig erwähnten Städten alles deswegen so perfekt funktioniert, weil sich jeder an die Regel hält, dass Regeln nichts gelten, hält sich in München zwar keiner an die Regeln, erwartet vom jeweils anderen aber genau das Gegenteil.
Alles führt zu der Erkenntnis, dass der München-Besucher am besten sein Auto am Stadtrand abstellt und U-Bahn fährt. Oder dass er, für den Fall, er trüge sich mit der Absicht, hier zu siedeln, ein Fahrertraining absolviert. BMW bietet solche Kurse an.
Gruß
Feuerstein