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Vollständige Version anzeigen : kalkulation in der pkw-industrie


l.otti
28.08.2002, 15:51
hi lb foristi,

mich würd mal interessieren wie eigentlich die kalkulationsgrundlage in der pkw-industrie ist (mittelklasse). ich bin absolut kein kaufmann und hab davon überhaupt keine vorstellung, war heute mittag jedoch mit einem textiler essen und bin fast hintenrüber gekippt was dort für margen üblich und anscheinend immer noch notwendig sind. das hemd für 79,- euro kostet in der produktion keine 10,- euro. er meinte allein marketing, außendienst und einzelhandel (wg. der abartig hohen innenstadtmieten etc.) benötigen schon locker 50-60%.

also, hat jemand mal ne idee wieviel eigentlich ein mittelklasse pkw z.b ein 156er 2,0 für ca. 26.000 euro in der herstellung (nur das kmpl. fertige auto) kostet? so ohne forschung, verwaltung, marketing, handel rückrufrücklagen etc.?

gibts hier eigentlich erbsenzähler unter uns? oder soll ich besser mal im bmw oder audi forum nachfragen?

mfg l.otti

AxelBerlin
28.08.2002, 15:58
Hallo,

anfang der 90er Jahre meinte ein Bekannter von mir, der Händlervertreter für VW Norddeutschland ist, daß der dreier Golf VW in der Herstellung ca. 10.000DM damals gekostet hat. DAs ist nun schon eine Autogeneration weiter, 10 Jahre später und ein deutscher Hersteller aber gibt einem einen Einblick.

Übrigends, daß Hemd kostet bei 79 Euro nicht 10, sondern vielleicht nur 1 Euro in China in der Herstellung. Den Rest benötigen die nicht, das stecken die sich einfach ein, weil der Markt es hergibt. Ein Auto kostet nicht so viel, weil es kostet, sondern weil es der Markt hergibt. Am besten sieht man das an den EU Importen.

Gruß
Axel

Gordovan
28.08.2002, 16:01
Ohne Garantie: Ein VW Passat kostete zu DM-Zeiten (also letztes Jahr) normale Austattung ca. 16 TDM.

Ich hätte einen Polo erwerben können für ca. 15 TDM,der für den Export bestimmt war, aber nur auf dem Papier ausgeliefert wurde, also keine weiteren Margen (heißt das so?) enthalten hat.

engel
28.08.2002, 17:46
Jaja, alles schon klar. Vergessen wird bei der ganzen sache aber die Entwicklung des ganzen!!

Ich meine, klar ist es mal interssant zu erfahren, wie viel so ein Auto eigentlich kostet(Material+Arbeitslohn), aber zur vervollständigung des ganzen:

Die Entwicklung eines Cockpits und den dazugehörigen Türverkleidungen usw.( Trittstufen, abdeckungen, Hecklappeninneverkeidungen usw.) also alles an Kunstoff Interieur ohne Sitze, Elektro usw. kostet uns als entwicklungszulieferer mal so locker 50mio€. Das ganze muss dann natürlich auch wieder reinkommen. Die Kunden bezahlen uns zum einen nach entwicklungsstufen, dannach über den Teilepreis. Würde man die entwicklung da mit reinrechnen, wäre das Auto auch noch teurer. Die marge deckt also in dem Falle auch die vorab investitionen mit ab, logisch.

Marcus

P.S: Wir machen nur das Interieur!! Was mag dann beim Kunden die Entwicklung eines ganzen Fahrzeuges kosten? Motor/Getriebe etc.!!


Die Marge stimmt aber dennoch, was man an den Bilanzen einiger hersteller sehen kann. Die Entwicklung eines Skoda Cockpits kostet übrigens genau so viel, wie die eines Golfes!! Alles klar!!

Nix
28.08.2002, 18:12
Ich kann da engel voll und ganz beipflichten.

Wenn man das zusammenzählt, was engel schrieb und dann die eigene Entwicklungsarbeit des Herstellers noch dazunimmt, wird das eine unglaubliche Summe. Während der gesamten Entwicklungszeit (und auch noch lange nach dem Verkaufsstart des neu entw. Fzgs) arbeiten ständig mehrere hundert Leute an so einem Auto.

Dazu noch die vielen Prototypen und Versuchsfahrzeuge, die auch niemals verkauft werden und durch viel Handarbeit noch sehr viel teurer sind als ein "normales" Auto für den Endverbraucher.

Summa Summarum kostet ein Auto mit dem Endpreis von 15000 Euro vielleicht 8000 Euro in der Herstellung, aber inkl. Entwicklungskosten dürften da noch einige Euro dazu kommen. Wie sich das dann genau zusammensetzt, kann man erst abschätzen, wenn man weiß, wie oft sich das Fzg. dann verkauft.

Ich bin mir z.B. ziemlich sicher, daß VW mit dem Phaeton so gut wie keinen Gewinn machen wird, und sogar nur mit viel Glück kostendeckend bleibt. Beim Golf sieht das sicher anders aus.

mfG, Jens

tropfenjaeger
29.08.2002, 11:02
Hallo,
es gibt da eine alte "Bauernregel".
Wenn eine Firma Geld verdienen möchte, dann sollte der Faktor PI ungefähr gelten. Das bedeutet die Herstellung eines Produktes sollte nicht mehr als ein drittel des Verkaufspreis kosten.
Klar, VW hat mit seinen "Billig" Produkten mehr Probleme diesen Faktor zu erreichen als BMW, Porsche und andere.

Die anderen zweidrittel teilen sich Vertrieb, Staat (MwSt, Gewerbesteuer, u.s.w) , Industie und Handelskammer, Kunde (Rabatt) u.s.w und u.s.w.

Grüße Eduard

engel
29.08.2002, 11:15
Die alte Bauernregel gilt in der automotive Industrie schon lange nicht mehr. Früher haben wir auch noch mit mindestens 20% marge kalkuliert. heute zutage ist dies kaum noch möglich. Zum einen ist es für uns nachweislich besser, nicht merh so eine hohe marge zu kalkulieren, und unsere kosten des entwicklungsumfanges nach abgearbeiteten Milestones bezahlt bekommen, anstatt erstmal in langwierigem Verfahren bis SOP zu investieren, um dann mit einem schalg einen Haufen Geld zu bekommen. Dies ist bei den VFolumen, um die wir uns hier unterhalten auch für einen Konzern userer Grösse (55tsd MA) fast unmöglich.

dank Lopez und Co müssen wir zulieferer mit einer Marge leben, die nicht 2 stellig wird. Aber es leuchtet ja auch ein, immer wieder kleine Beträge mit geringerem Gewinn zu bekommen, als einen wahnsinnsinvest über mehrere Jahre hinwegzuschieben. Bei der vielzahl an Projekten wäre dann nach ein paar monaten das licht aus.

Marcus

tropfenjaeger
29.08.2002, 11:33
Für die Zulieferer ist die Situation wirklich nicht so. Für die OEM´s (Autohersteller) aber gilt es vom Prinzip immer noch.

Auch kenne ich Zuliefer die den OEM brauchen um die großen Stückzahlen zu bekommen um dann die "billigen" Produkte teurer im Teilemarkt verkaufen zu können z.B. Reifen, Stoßstangen u.s.w.

Die Regel mit PI ist vor allem dann absolut notwendig wenn man mit einem externen Vertieb (Händler) arbeitet, denn die wollen alle auch ihre Prozente.

Grüße
Eduard

engel
29.08.2002, 12:36
Original geschrieben von tropfenjaeger
Die Regel mit PI ist vor allem dann absolut notwendig wenn man mit einem externen Vertieb (Händler) arbeitet, denn die wollen alle auch ihre Prozente.

Grüße
Eduard

Ja, das ist absolut richtig. Wenn man eine Vertriebsorganisation im hintergrund hat, dann ist das ja klar. Bei den Autos ist es da ja auch ähnlich. Für das Auto zahlen ja auch schon die Händler 16-18% weniger, als die unverbindliche PV. Dazu noch einmal der Gewinnd des OEM, und der Gewinn des zulieferers, dann bist du wieder da, wo wir mit der Bauernregel angefangen habe;) Nur leider (oder zum Glück) baut niemand mehr ein Produkt kompl. alleine.

marcus

Strolchi
29.08.2002, 13:23
Ja hallo erstmal,

definitv: Beim Neukauf meines aktuellen 156 2.0 TS SW im Dez 01 bekam ich u.a. auch den Kaufvertrag Alfa Romeo - Händler zu Gesicht: Provision auf den VP 13 Prozent.

Lt. Händleraussage bekommt er am Geschäftsjahresende noch ein sog. Kickback (Superprovision) auf den kumulierten Jahresumsatz.

Was lernen wir daraus: Wenn man wie ich nach viel Verhandlung vom Dealer 13 % Nachlass (trotz Finanzierung !) erhält, hat er für den Moment gar nix verdient, wenn er nicht vorher noch was draufgehauen hat, was ich in meinem Fall ausschliessen kann.

Verhält sich übrigens in der Reisebranche genauso: Provision auf den Verkaufspreis: Je nach verkaufter Leistung (Flug, Bahn, Touristik, etc.) zwischen 5 % und 12 % ! Bsp.: Preis des Flugticket's innerdeutsch 199 DM >> Verdienst Agentur (Flug 5 %): 9,95 DM. Da überlege man sich, daß von solchen Margen in der Dienstleistung sämtliche Kosten (Mieten, Einrichtung, Gehälter, etc.) gezahlt werden müssen ! Wundert man sich dann noch, daß immer mehr Läden in den Innenstädten leer stehen ?

Ohne Zweifel sind die Margen im Einzelhandel dem Händler überlassen (Nettoraten, Sonderpreise, etc.), liegen jedoch 100 %ig zwischen 60 und 150 % !


Grüsse Strolchi
*der gelernter Kaufmann ist und den Job 10 Jahre gemacht hat

ahofer
29.08.2002, 14:02
Original geschrieben von Strolchi
Ohne Zweifel sind die Margen im Einzelhandel dem Händler überlassen (Nettoraten, Sonderpreise, etc.), liegen jedoch 100 %ig zwischen 60 und 150 % !


Buon Giorno !hello!

und von diesen Margen musst Du dann auch noch die Lagerhaltungskosten und die Zinsen bestreiten, welche auch nicht ohne sind, da ein Artikel durchaus auch mal 2 Monate im Lager bzw. im Laden liegen kann, z. B. Tintenpatronen.
60 bis 150% Marge hören sich relativ viel an, aber rechne mal bei einem Druckerkabel für 5 Euro den Betrag in Euro aus. Absolut gesehen bleibt da nimmer viel übrig.

alfistagtv6
29.08.2002, 21:23
Original geschrieben von l.otti
also, hat jemand mal ne idee wieviel eigentlich ein mittelklasse pkw z.b ein 156er 2,0 für ca. 26.000 euro in der herstellung (nur das kmpl. fertige auto) kostet?

Ciao l.otti!

Es macht in der Mittelklasse nicht viel Unterschied welche Marke man unter die Lupe nimmt, sondern das Gewicht des Autos ist hier vor allem entscheidend. Leitspruch: Mehr drin, mehr dran.

Grundsätzlich kann man für jedes Auto einen Preis in € pro kg angeben. (Das ist auch der Grund warum der Phaeton nichts als Image für VW bringt) In der jeweils der selben Klasse und bei (sehr) ähnlicher Motorisierung liegt man von Hersteller zu Hersteller bei Plus/Minus ca.6-10%.

Dein Beispiel beziffere ich mit max.9000€ ohne Transport. Angaben ohne Gewähr. ;)

Saluti, alfistagtv6. !hello!

cdemagal
29.08.2002, 22:50
Original geschrieben von l.otti
hi lb foristi,

gibts hier eigentlich erbsenzähler unter uns? oder soll ich besser mal im bmw oder audi forum nachfragen?

mfg l.otti

hi l.otti,

ich bin zustaendig bei Ford fuer die Kalkulation des Focus Nachfolger (Erbsenzaehler, ich ? ? ? :-*).

Die Herstellungskosten sind abhaengig davon u.a. wo das Fahrzeug produziert wird, der Anteil an Kaufteilen, die Produktionsvolumen, die Platformsinergien, und viel mehr. Dein Beispiel mit den 156 wurde bei 8 bis 9 Euro an Materialkosten alleine schaetzen, dazu kommen die Variable Produktionskosten und Kosten wie Abschreibung der Produktionsanlagen die auf jeder Einheit umgelegt werden mussen.

Eine der grosste Posten sind natuerlich die Entwicklungskosten, die wiederum je nach Volumen auf mehr oder weniger Einheiten umgelegt werden sollen, dementsprechend sind die Kosten pro Stuck groesser oder kleiner. Auch gross sind die Kosten fuer Sonderprogramme wie 0% Finanzierung, Kostenlose Klimaanlage und so weiter, die helfen nach ein paar Jahre das Modell am Leben zu erhalten, bis ein Facelift bzw. neues Modell auf dem Markt kommt.

Die Margen beim Haendler sind auf keinen Fall so gross wie im Einzelhandel...!kalt!

@Strolchi: 13%? Dein Haendler muss bestimmt ein gutes geschaeft mit deinem Gebrauchter gemacht haben...

Saluti!

Strolchi
30.08.2002, 09:21
Original geschrieben von ahofer


Buon Giorno !hello!

und von diesen Margen musst Du dann auch noch die Lagerhaltungskosten und die Zinsen bestreiten, welche auch nicht ohne sind, da ein Artikel durchaus auch mal 2 Monate im Lager bzw. im Laden liegen kann, z. B. Tintenpatronen.
60 bis 150% Marge hören sich relativ viel an, aber rechne mal bei einem Druckerkabel für 5 Euro den Betrag in Euro aus. Absolut gesehen bleibt da nimmer viel übrig.

Servus ahofer,

ganz meiner Meinung. Der Kunde meint immer, der Händler verdient sich eine goldene Nase, dem is' aber nicht so. Wie's halt so ist: Die Menge macht's, siehe ALDI. Deswegen sterben auch die "Tante Emma's", schade d'rum, weil's Persönliche verloren geht. :,(

Grüsse Strolchi
* der allen auch ein schönes Wochenende wünscht

engel
30.08.2002, 15:31
Original geschrieben von Strolchi


Die Menge macht's, siehe ALDI. Deswegen sterben auch die "Tante Emma's", schade d'rum, weil's Persönliche verloren geht. :,(

Grüsse Strolchi
* der allen auch ein schönes Wochenende wünscht

Der Aldi hat aber noch einen ganz anderen Trick:

Er ist gross!!Wenn nicht sogar riesig. Er kauft viel, und dicktiert somit die Zahlungsbedingungen. Er kauft zu fast den gleichen Konditionen, wie alle anderen, aber er hat einen gemittelten durchsatz von 3 Tagen. Seine Zahlungsbedingungen: Nach erhalt innerhalb 4 Wochen. Dies wird auch exact eingehalten. Soll heisen. Die 100Tonnen Zucker hat er nach 3 Tagen ducht, und das Geld ist in der Kasse, bezahlen tut er aber erst nach 4 Wochen. In der zwischenzeit arbeitet er fleissig mit dem Geld. Er braucht also für seine neuen sachen und die Sonderprogrtamme, die +-o laufen, um Kunden zu fangen keinen Invest. Seine Zulieferer Finanzieren ihm die Sache vor.
Das hab ich auf jeden Fall mal so gelesen, in einer PC Zeitschrift, wo man sich die Preise des angebotenen Rechners mal so angeschaut hat.
Marcus