Daggi
20.08.2002, 10:23
.....gelesen im "Streiflicht" der Süddeutschen Zeitung :
(SZ) Wenn sich die Sache herumspricht auf Mallorca, den Kanaren und anderen deutschen Gebieten unter fremder Verwaltung, dann wird ein zehntausendfaches Prost die Luft erfüllen, und das Bier wird in die Kehlen schäumen, in deutschen Kehlen, versteht sich. Die Kellner an südlichen Strandbars, die Luigis und Pedros, kriegen einen aufmunternden Schlag extra auf die Schulter, und über den Sandburgen dröhnt in maximaler Phonstärke der „Anton aus Tirol“ – wehe dem, der da nicht mitsingt! Klar, auch das Zimmermädchen bekommt ´nen Euro Trinkgeld, obwohl es noch immer kein Deutsch kann, das andalusische Landei. Leute, es gibt was zu feiern: Die Deutschen sind die beliebtesten Urlauber weltweit. Wir, ja wir, sind in tutto il mondo willkommen wie niemand sonst. Das hat ein Online-Reisebüro in 17 Urlaubsländern ermittelt. Die Deutschen verdanken den Sieg zuvorderst ihren exquisiten Manieren; auch schlug die Bereitschaft zu Buche, keinem kulinarischen Abenteuer aus dem Weg zu gehen, sowie das Talent, im Nu die Landessprache zu erlernen, und sei es der Dialekt eines aussterbenden Hirtenvolkes im Hindukusch.
Offen gestanden, etwas überraschend ist das jetzt schon. Den Streiflicht-Autoren, die selbst ganzjährig Urlaubssperre haben, liegen Informationen vor, die Tucholskys Befund aus Weimarer Tagen zu bestätigen scheinen: „Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon deutsche Touristen da gewesen sind.“ Die Frage ist aber erledigt, weil deutsche Touristen inzwischen überall waren. Das hat, Tucholsky hin oder her, enorm zum kulturellen Aufschwung der fremden Völker beigetragen: Sie lernten nicht nur Eisbein mit Sauerkraut kennen und schätzen, sondern auch Frohsinnsbomben wie den „König von Mallorca“ Jürgen Drews, der das dortige musikalische Niveau auf bis dahin nicht gekannt Höhen geschraubt hat. Dafür sind die Einheimischen sehr dankbar.
Zudem stirbt allmählich jener Typ des deutschen Reisenden aus, der nie recht weiß, ob er als Tourist oder als Offizier im Land ist. Selbst Sachsen und Schwaben sind heute bemüht, im Urlaub unauffällig aufzutreten. Sie kleiden sich wie Eingeborene, versuchen – vergeblich natürlich – die Sprache nachzuahmen und essen alles was man ihnen vorsetzt. Schon etliche Korea-Urlauber haben ihren Hund am Hotel-Büfett wiedergefunden und anstandslos verzehrt. Am liebsten aber wäre der Deutsche gleich Italiener oder Grieche. Anders der Engländer, der als schneidiger Kolonialherr durch die Welt reist. Deswegen sind die Söhne Albions auch auf dem letzten Platz in der Beliebtheitsskala. Ein Grund mehr, ihnen keinen Zentimeter deutschen Boden am Schwimmbecken zu überlassen. Es bleibt dabei: Ab fünf Uhr morgens liegen unsere Handtücher am Pool!
Gruß Daggi
:-]
(SZ) Wenn sich die Sache herumspricht auf Mallorca, den Kanaren und anderen deutschen Gebieten unter fremder Verwaltung, dann wird ein zehntausendfaches Prost die Luft erfüllen, und das Bier wird in die Kehlen schäumen, in deutschen Kehlen, versteht sich. Die Kellner an südlichen Strandbars, die Luigis und Pedros, kriegen einen aufmunternden Schlag extra auf die Schulter, und über den Sandburgen dröhnt in maximaler Phonstärke der „Anton aus Tirol“ – wehe dem, der da nicht mitsingt! Klar, auch das Zimmermädchen bekommt ´nen Euro Trinkgeld, obwohl es noch immer kein Deutsch kann, das andalusische Landei. Leute, es gibt was zu feiern: Die Deutschen sind die beliebtesten Urlauber weltweit. Wir, ja wir, sind in tutto il mondo willkommen wie niemand sonst. Das hat ein Online-Reisebüro in 17 Urlaubsländern ermittelt. Die Deutschen verdanken den Sieg zuvorderst ihren exquisiten Manieren; auch schlug die Bereitschaft zu Buche, keinem kulinarischen Abenteuer aus dem Weg zu gehen, sowie das Talent, im Nu die Landessprache zu erlernen, und sei es der Dialekt eines aussterbenden Hirtenvolkes im Hindukusch.
Offen gestanden, etwas überraschend ist das jetzt schon. Den Streiflicht-Autoren, die selbst ganzjährig Urlaubssperre haben, liegen Informationen vor, die Tucholskys Befund aus Weimarer Tagen zu bestätigen scheinen: „Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon deutsche Touristen da gewesen sind.“ Die Frage ist aber erledigt, weil deutsche Touristen inzwischen überall waren. Das hat, Tucholsky hin oder her, enorm zum kulturellen Aufschwung der fremden Völker beigetragen: Sie lernten nicht nur Eisbein mit Sauerkraut kennen und schätzen, sondern auch Frohsinnsbomben wie den „König von Mallorca“ Jürgen Drews, der das dortige musikalische Niveau auf bis dahin nicht gekannt Höhen geschraubt hat. Dafür sind die Einheimischen sehr dankbar.
Zudem stirbt allmählich jener Typ des deutschen Reisenden aus, der nie recht weiß, ob er als Tourist oder als Offizier im Land ist. Selbst Sachsen und Schwaben sind heute bemüht, im Urlaub unauffällig aufzutreten. Sie kleiden sich wie Eingeborene, versuchen – vergeblich natürlich – die Sprache nachzuahmen und essen alles was man ihnen vorsetzt. Schon etliche Korea-Urlauber haben ihren Hund am Hotel-Büfett wiedergefunden und anstandslos verzehrt. Am liebsten aber wäre der Deutsche gleich Italiener oder Grieche. Anders der Engländer, der als schneidiger Kolonialherr durch die Welt reist. Deswegen sind die Söhne Albions auch auf dem letzten Platz in der Beliebtheitsskala. Ein Grund mehr, ihnen keinen Zentimeter deutschen Boden am Schwimmbecken zu überlassen. Es bleibt dabei: Ab fünf Uhr morgens liegen unsere Handtücher am Pool!
Gruß Daggi
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