strafer
02.06.2002, 19:43
Ciao Amici,
das lange Wochendende habe ich auf einem Campingpatz in Grömitz verbracht. Die Zeit habe ich als Science-Fiction Leseratte auch dazu benutzt, mit einem neu gekauften Taschenbüchlein (1114 Seiten) zu beginnen. Und siehe da, schon auf Seite 12 wird mir da ein Alfista beschrieben, mit all seinen Stärken und Schwächen.
Aber beurteilt den Text selbst.
Norman Spinrad: Die Transformation
(...)
Dexter öffnete das Garagentor und lächelte seinem Wagen ein einfältig-jungenhaftes Hallo zu.
Als Dexter und Ellie noch in Berkley wohnten, hatten sie einen relativ neuen Toyota und einen älteren Volvo gefahren, aber keines der Fahrzeuge hatte wirklich als sein oder ihr Auto gelten können. Aber hier unten in Fairfax hielten sie in ihrer Doppelgarage (...) Ellies zwei Jahre altes, neu gekauftes und noch unter Garantie stehendes Pontiac Firebird-Coupé und Dexters altes, rotes Alfa Romeo-Kabriolett in Fahrbereitschaft.
Nach vernünftigen Autofahrermaßstäben war der Alfa Romeo Spider ein unzuverlässiges Scheißauto. Infolge durchlässiger Dichtungsringe brauchte er auf 1000 km gut und gerne einen halben Liter Öl, aus dem Getriebe drangen ominöse Geräusche, im zweiten Gang mußte man inzwischen den Schalthebel niederdrücken und die Elektrik war mittlerweile so oft von Amateuren erneuert worden, dass selbst nagelneue Hochleistungsbatterien unter mysteriösen Umständen den Geist aufgaben, und zwar meistens im ungünstigsten Moment.
Doch Dexter war verknallt in seinen Alfa Romeo. Nicht wegen deiner höchst offenkundigen Mängel, sondern weil er ein waschechter, roter, italienischer Sportwagen war, der wie auf Schienen durch die Kurven schnurrte, dem Fahrer auf zufriedenstellende Weise den Kopf nach hinten warf, wenn er vom ersten in den zweiten Gang wechselte, und meistens einen Brickfang abgab, während er ihn - das kam öfters vor - zur Werkstatt und später wieder nach Hause fuhr.
Musste man es als pubertär einstufen, wenn ein dreiundvierzigjähriger, hauptberuflicher Schriftsteller mit Rettungsring, der zudem Frau und Kind zu versorgen hatte, pro Jahr über dreitausend Mäuse für Versicherungen, Reparaturrechnungen, Kfz-Öl und teure, weil importierte italienische Autoersatzteile verschwendete, nur um sich an seinen klapprigen Autofahrerlusttraum zu klammern?
Ohne Zweifel vertrat Ellie diese Meinung.
"So was ist doch bemitleidenswert, Dex, es ist nichts als 'ne Midlifecrisis auf Rädern. Wann bringst du die Karre endlich zum Schrottplatz und kaufst dir einen verlässlichen Zweitwagen?"
"Die Kosten für den Alfa Romeo liegen niedriger", wandte Dexter dann mit überzeugender Logik ein, "als die Monatraten für ein neues Auto."
"Ich habe da einen recht anständig aussehenden, vier Jahre alten Celica" (oder Civic oder Plymouth oder sonst so eine Karre) "für drei fünf gesehen", lautete darauf Ellies Antwort, " und wahrscheinlich könntest du den Preis bei Barzahlung auf dreitausend runterhandeln. Du verschleuderst jedes Jahr die halbe Summe für Werkstattrechnungen und Motoröl."
An dieser Stelle des Wortwechsels schenkte Dexter ihr jedes Mal einen Abklatsch eben des lüsternen Lächelns, das vor einem Jahrzehnt ihre knackjunge Gestalt durchs Menschengedränge eines überfüllten Raums zu ihm gelockt hatte (...).
"Billiger als 'ne Geliebte in 'nem engen Kleid gleicher Farbe!", sagte er zur Unterstreichung seines Lächelns.
(...)
Ich hoffe, euch hat diese keine Textpassage gefallen. Wann kommt so etwas schon in einem Roman vor?
Oder kennt jemand einen anderen Roman mit einem Alfa-Freak?
Yours
strafer
das lange Wochendende habe ich auf einem Campingpatz in Grömitz verbracht. Die Zeit habe ich als Science-Fiction Leseratte auch dazu benutzt, mit einem neu gekauften Taschenbüchlein (1114 Seiten) zu beginnen. Und siehe da, schon auf Seite 12 wird mir da ein Alfista beschrieben, mit all seinen Stärken und Schwächen.
Aber beurteilt den Text selbst.
Norman Spinrad: Die Transformation
(...)
Dexter öffnete das Garagentor und lächelte seinem Wagen ein einfältig-jungenhaftes Hallo zu.
Als Dexter und Ellie noch in Berkley wohnten, hatten sie einen relativ neuen Toyota und einen älteren Volvo gefahren, aber keines der Fahrzeuge hatte wirklich als sein oder ihr Auto gelten können. Aber hier unten in Fairfax hielten sie in ihrer Doppelgarage (...) Ellies zwei Jahre altes, neu gekauftes und noch unter Garantie stehendes Pontiac Firebird-Coupé und Dexters altes, rotes Alfa Romeo-Kabriolett in Fahrbereitschaft.
Nach vernünftigen Autofahrermaßstäben war der Alfa Romeo Spider ein unzuverlässiges Scheißauto. Infolge durchlässiger Dichtungsringe brauchte er auf 1000 km gut und gerne einen halben Liter Öl, aus dem Getriebe drangen ominöse Geräusche, im zweiten Gang mußte man inzwischen den Schalthebel niederdrücken und die Elektrik war mittlerweile so oft von Amateuren erneuert worden, dass selbst nagelneue Hochleistungsbatterien unter mysteriösen Umständen den Geist aufgaben, und zwar meistens im ungünstigsten Moment.
Doch Dexter war verknallt in seinen Alfa Romeo. Nicht wegen deiner höchst offenkundigen Mängel, sondern weil er ein waschechter, roter, italienischer Sportwagen war, der wie auf Schienen durch die Kurven schnurrte, dem Fahrer auf zufriedenstellende Weise den Kopf nach hinten warf, wenn er vom ersten in den zweiten Gang wechselte, und meistens einen Brickfang abgab, während er ihn - das kam öfters vor - zur Werkstatt und später wieder nach Hause fuhr.
Musste man es als pubertär einstufen, wenn ein dreiundvierzigjähriger, hauptberuflicher Schriftsteller mit Rettungsring, der zudem Frau und Kind zu versorgen hatte, pro Jahr über dreitausend Mäuse für Versicherungen, Reparaturrechnungen, Kfz-Öl und teure, weil importierte italienische Autoersatzteile verschwendete, nur um sich an seinen klapprigen Autofahrerlusttraum zu klammern?
Ohne Zweifel vertrat Ellie diese Meinung.
"So was ist doch bemitleidenswert, Dex, es ist nichts als 'ne Midlifecrisis auf Rädern. Wann bringst du die Karre endlich zum Schrottplatz und kaufst dir einen verlässlichen Zweitwagen?"
"Die Kosten für den Alfa Romeo liegen niedriger", wandte Dexter dann mit überzeugender Logik ein, "als die Monatraten für ein neues Auto."
"Ich habe da einen recht anständig aussehenden, vier Jahre alten Celica" (oder Civic oder Plymouth oder sonst so eine Karre) "für drei fünf gesehen", lautete darauf Ellies Antwort, " und wahrscheinlich könntest du den Preis bei Barzahlung auf dreitausend runterhandeln. Du verschleuderst jedes Jahr die halbe Summe für Werkstattrechnungen und Motoröl."
An dieser Stelle des Wortwechsels schenkte Dexter ihr jedes Mal einen Abklatsch eben des lüsternen Lächelns, das vor einem Jahrzehnt ihre knackjunge Gestalt durchs Menschengedränge eines überfüllten Raums zu ihm gelockt hatte (...).
"Billiger als 'ne Geliebte in 'nem engen Kleid gleicher Farbe!", sagte er zur Unterstreichung seines Lächelns.
(...)
Ich hoffe, euch hat diese keine Textpassage gefallen. Wann kommt so etwas schon in einem Roman vor?
Oder kennt jemand einen anderen Roman mit einem Alfa-Freak?
Yours
strafer