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Vollständige Version anzeigen : "Renntraining" und andere Momente des Glücks


Sebastian Igel
02.04.2002, 17:45
So, nun ist es also vorbei - das unten im Forum schon oft thematisierte "Renntrainig in Dijon".

Allen, die Zweifel bzgl. der Strecke, Hausers oder des Veranstalters geäußert haben, kann ich beruhigen. Die Veranstaltung ist gut organisiert. Die Rennstrecke atemberaubend. Mit Höhenunterschieden, daß es einem im Bauch kribbelt und Auslauf, daß man sich schon Mühe geben müßte, um durchs Kiesbett jagend noch eine Leit(d)planke zu erreichen.

Ich bin am Samstag nach Freiburg gefahren, wo noch die letzten Arbeiten an den Autos von V. Hauser und Bekannten erledigt wurden. Nach einem mit viel Liebe zubereiteten und dekorierten Abendessen (nochmals herzlichsten Dank und Kompliment an Kerstin) ging es am Sonntag Morgen um 05:30 Uhr (SOMMERZEIT!!!) los Richtung Mühlhausen und dann weiter nach Dijon.

Aus Angst um meinen Hochglanz-Bertel und in weiser Voraussicht (wird von Hauser ausgeführt), bin ich mit meinem Peugeot 205 TD (170 PS / 345Nm) angereist. Als jemand, der noch nie in einem Alfa-Konvoi gefahren war, ist mir das Herz ganz leicht geworden, als wir dem Sonnenaufgang entgegen glitten und Curtis Mayfield aus dem Radio groovte.

Mit Slicks beschuht war mein Peugeot in der Klasse von 150 - 220 PS keine leichte Kost für u.a. GTA 1600, der pro Runde 7 Sekunden langsamer als ich unterwegs war.

O.K. genug der Pralerei, aber mit einer gigantischen Dieselfahne am Heck und erstaunten echten "Rennauto-Fahrern" direkt vor meiner Stoßstange war mein kleines "Diesel-Glück" perfekt.

Alles ging überaus fair zu und nie schienen die Beteiligten zu vergessen, daß es nur darum geht, an einem warmen 1. April viel Spaß in Autos zu haben.

Die Rückfahrt gestaltete sich fast wie die Hinfahrt (wird von Hauser ausgeführt)....

Am letzten Wochenende im August findet die Veranstaltung wieder statt. Ob ich dann mit dem Bertel starte, ist noch nicht klar. Da ich den inoffiziell ausgelobten Preis für die weiteste Anfahrt gewonnen habe (ca. 830 KM) ist es aber gut möglich, daß ich wieder den Peugeot dieseln lasse, da diese schönen itlalienischen Autos gelegentlich Probleme machen, auch wenn sie offensichtlich von Kennerhand aufgebaut und gepflegt werden (wird von Hauser ausgeführt).

Eines ist aber sicher - ich bin wieder dabei!!!

Beweisfotos werden von Hauser noch irgendwie, der kennt sich ein bißchen damit aus, eingestellt.

Grüsse aus dem sonnigen Hannover
Sebastian Igel

volkerhauser
04.04.2002, 10:53
"Zehn kleine Deutschländer, die hatten einen Plan, am Sonntag früh bis nach Dijon um dort im Kreis zu fahrn.

Samstag abend gab es Essen und auch roten Wein, für einen war das schon zu viel, da waren's nur noch neun ..."

Tja, für die einen ist das die Ultra-Verarsche von urdeutschem Liedgut, für die anderen ist das die längste Ostergeschichte der Welt. Zehn deutsche Staatsbürger und sechs Autos unter einen Hut und dann heil von Freiburg nach Dijon und zurück zu bekommen kann halt doch etwas schwieriger sein. Ziel war das Renntraining in Dijon am Ostersonntag (siehe auch Beschreibung von Sebastian Igel).

Kurz vor der Abfahrt (mitten in der Nacht) klingelte bereits das erste Mal unser Telefon: ein Pärchen hat sich nach dem (eigentlich völlig unspektakulär und harmonisch verlaufenen) Abendessen wohl derart in die Haare bekommen, dass sie auf die Mitfahrt kurzum ganz verzichteten. Ein Beifahrer tauchte gar nicht erst auf - zu viel Rotwein beim Abendessen? So auf sechs Erwachsene, ein "Boxenluder" und fünf Autos (zwei Bertels, zwei Julchen und ein französischer Wolf im Schafspelz) dezimiert starteten wir im Konvoi um viertel nach sechs am Grenzübergang Neuenburg - Mulhouse, begleitet von der aufgehenden Sonne in einen vermeintlich strahlenden Tag.

Erste Ernüchterung kurz nach Belfort: mal wieder Handyklingeln (kann nichts
Gutes bedeuten), ein Bertone gestrandet, nix ging mehr. Das französische Schafbekam erste Gelegenheit, sich als echter Wolf (hier: Leit- ähm: Ziehwolf) zu entpuppen. Berti bis zur nächsten Raststätte geschleppt, Diagnose: Ölpumpe steht, klinisch tot. Zwei Erwachsene und ein gutgefüllter Picknikkorb umverteilt,weiter ging's. Keine halbe Stunde später machte aus lauter Solidariät der zweite Berti Zicken: nahm kein Gas mehr an, schoss wild aus dem Auspuff raus. Erster Blick unter die Motorhaube: ist doch alles noch da, wa will er denn? Zweiter Blick: hey, der Verteiler ist irgendwie ein bisschen locker, na, nicht wirklich locker, eigentlich ist er AB! Zweite Gelegenheit für den französischen Wolf, zu zeigen, wo der Hammer hängt. Auch dieser Berti musste bei nächster Gelegenheit stehenbleiben, noch eine Erwachsene und das Boxenluder samt Recaro-Kindersitz und "Zubehör" (Essen, Trinken, Spielen) in die verbliebenen Autos verteilt. Na, Gottseidank hatten wir dann auch nicht mehr so viele Slicks gebraucht, alles umverteilt, Schwamm drüber - und weiter ging's.

Nachdem wir beim Eintreffen in Dijon noch eine zweite Startnummer für eines der Julchen heraushandeln konnten (sonst wäre es für zwei Leute doch seeehr langweilig geworden) hatten wir einen wundersupermegaklassetollen Tag in Dijon, immer im Kreis rum was das Zeug hält. Bis zur vorletzten Runde des grünen Julchens. Ein nach unten gerichteter Daumen und Berichte über "nicht so tolle" Geräusche aus dem Bereich Getriebe/ Kupplung erwiesen sich beim Antreten der Heimfahrt als gnadenlose Untertreibung. (Ob das wohl die gute Idee war, mit der Jule das doppelte Pensum zu fahren?) Wann immer es überhaupt zu einer Kraftübertragung kam, fand dies mit zunehmender Drehzahl mit immer lauterem Knarren, Knacken und Dröhnen statt. Und folgerichtig gab das Julchen irgendwann nach der Umschleichung Dijons mitten auf der Autobahn auf. Noch einmal: Einsatz Monsieur Peugeot. Jetzt sechs Erwachsene und ein Kind in die verbliebenen zwei
Autos - ein Julchen mit (gottseidank) serienmäßiger Innenausstattung und einen bis auf den Fahrersitz erleichterten Peugeot 205 - zu verteilen war eine echte Herausforderung ...

Wir schweigen an dieser Stelle über sich verstärkende, seltsame Geräusche
irgendwo aus dem Innenleben der verbliebenen Jule, über logistische
Meisterleistungen bei der Rückholung von drei entlang der französischen A36/ A39 gestrandeten Alfas, über die Wahrscheinlichkeit von drei solchen Ausfällen an einem Tag. Fest steht: der Peugeot hat jedenfalls eine Trophäe als bestes Abschleppfahrzeug des Jahres verdient, wir werden das dem ADAC vorschlagen. Fest steht: wir hatten alle trotzdem viel Spaß (sicher mehr, als alle daheimgebliebenen Langeweiler mit der Flasche Warsteiner beim RTL gucken). Und wir sind unbelehrbar: Murphy mag diesesmal voll zugeschlagen haben, aber im August fahren alle wieder mit!

Viele Grüsse aus den sonnigen Freiburg


Volker Hauser

Ps: Der genaue Termin zum nächsten Renntraining Ende August wird rechtzeitig bekanntgegeben.