Phil
27.02.2002, 10:23
Schnelle Liebe
Ein Italiener mit gutem Stammbaum, großer Sehnsucht und einem hellen Wesen
Text: Susanne Hofbauer, Fotos: Schilling & Riedmann
Erste Erregung: die Stimme. Wie der raue Ton geschmeidig aus dem Orchestergraben klettert, sich zärtlich mit kleinen Widerhaken aus Röcheln und Räuspern im Trommelfell festsetzt und weitersteigt bis tief hinein ins zentrale Nervensystem. Den Ingenieur, der diesen Motor mit Stimmgabel und geschlossenen Augen zu einem brodelnden Instrument umgebaut hat, sollte man einen Maestro nennen. Das ist Allegro-Andante-Presto in einem Atemzug.
Eine irrationale Angelegenheit, das Thema GTA, aber wie sollte es anders sein. Dieses Güte-Kürzel hat unglaublich viel zu erzählen. Von den blaublütigen Renntagen der Sechziger, von vier dünnhäutigen Giulia GT-Versionen (das A steht für Alleggerita, was Leichtbau meint), von Alfa-Göttern, die Vittorio Jano und Carlo Chiti hießen. Und jetzt, nach all den Jahren, gibt es wieder so eine leidenschaftliche Maschine, so ein schnelles Gerät der Liebe, dem die moderne Zeit freilich ein bisschen andere Vorzeichen gesetzt hat.
Das kompromisslose Dünnhungern zur gewichtstechnischen Beschleunigung ist nicht mehr zeitgemäß. Der 156 GTA wurde wohl schlank gehalten, man hat hauptsächlich an den Radaufhängungen und am Motor ein paar Kilo eingespart, das eigentlich Leichte entspringt aber einer anderen Quelle.
Der GTA hat eine Beweglichkeit, die in den Tagen der elektronisch verschnürten Super-Fahrmaschinen à la BMW, Porsche und Co. ihresgleichen sucht. Dieses Auto fordert seinen Fahrer, es unterhält ihn und es hält ihn lebendig mit seiner ausgeschlafenen Technik. Willkommen in einer Welt des Über- und Untersteuerns, des kunstvollen Gegenlenkens und des smarten Carvens per Gaspedal. Wie sich dabei Kraft mit Grazie paart ist eine echte Freude.
Bester Parameter der Vergnüglichkeit: die Lenkung. Herrlich direkt, ohne anstrengend zu sein. 1,7 Umdrehungen bis Anschlag, Präzision im Millimeterbereich. Griffiges Lederlenkrad, eine schöne Hand voll. Der Nachteil der Ambition sind dann die 12 Meter Wendekreis, aber das tut hier nichts zur Sache.
Das Zentrum deines Nervensystems ist der Punkt, wo die Wärme herkommt. Er liegt immer vor dir, dieser Motorraum, dem 250 PS mit einer Klangfarbe in festlichem Tiefrot entströmen. Die krafttechnische Peilung hat sich vorrangig an der Verträglichkeit mit dem Vorderradantrieb gerichtet, sagen die Ingenieure. Im Prinzip handelt es sich um den alten Alfa-V6, der durch geschärfte Nockenwelle, andere Kolben und gestreckten Hub auf 3,2 Liter Hubraum angewachsen ist. Die 300 Nm verteilen sich dickflächig übers ganze Kennfeld, Stoff geht auch noch in der Sechsten bei Niedrigtouren; wenn man zwei Gänge runterhakelt, reißen dann alle himmlischen Bläser an. Schreiendes Wohlgefallen bei 7000 Touren, das Ausdrehen gipfelt jedesmal in bester Lebensfreude.
Der 156 bringt durch ausgereifte Fahrwerksgeometrie seine Power gut auf die Straße. Der Nachfolger 157 soll später einmal Allrad haben, hört man, aber das muss einen, bei der derzeitigen guten Auflage, eigentlich noch nicht interessieren. Das rege Eingreifen der Traktionskontrolle fällt auf, abschalten will man sie aber nicht. Es ist kein rigoroses Abwürgen, sondern ein kleinweises Abdrehen, das die Räder am Drehen und den Wagen stabil hält.
Und selbstverständlich: Mächtige Bremsanlage, Brembo, ABS mit Bremskraftverteiler. Die Pedalerie ist zartfüßig, die Gummi-Noppen am dekorativen Loch-Alu geben Grip. GTA kommt serienmäßig mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe (sowohl Limousine als auch Sportwagon), gegen Aufpreis kann man sich auch die halbautomatische Selespeed-Schaltung antun, deren Reaktionsschnelligkeit beim Gangwechsel ordentlich verbessert worden ist.
Joystick und Schalt-Schmetterlinge am Lenkrad? Wem bei den hüftschmalen Leder-Rennsitzen im kantigen Zuschnitt der Siebziger das Herz aufgeht, der wird sich über moderne Spieltechnik so seine Gedanken machen.
Und bei aller Hetz, der Klassik ist er schon sehr verhaftet, der GTA. Allein wie vorsichtig man sich über die äußere Sportverbrämung gemacht hat. Eine tiefe Frontschürze mit entsprechender Motorbeatmung, feistere Backen wegen der verbreiterten Spur und am Heck ein grazil eingeschnittener Diffusor.
Der Rest ist unverändert 156. Auf dessen Schönheit Alfa nach wie vor immens stolz ist.
156 facelift
Auf der Höhe
Von der Verbesserung des Guten
Irreführender Jargon: Nein, das Gesicht des 156 wurde kein bisschen verändert. Sind ja nicht blöd, die Alfa-Leute. Unter dem Kleid aber, das immer noch so schön wirkt wie am ersten Tag, war man hübsch zugange: Einen herausragenden neuen Motor hat der 156 mit dem JTS gekriegt. Es ist dies ein 165 PS starker Benzindirekteinspritzer, der den 2,0-Liter-Twinspark ersetzen wird. (Mehr darüber auf Seite 62). Weiters vermeldet der 2,4-Liter-JTD einen Leistungsgewinn von 10 PS (jetzt 150), das Selespeed-Getriebe schaltet in der neuen Generation schneller, es gibt ab nun serienmäßig Stabilitätskontrolle und zum Wohle des Fahrers extrarutschfeste Sitzbezüge, ein neues Lenkrad und eine ergonomischere Cockpit-Anordnung. Zu den bemerkenswerten Extras gehören ein CD-Player (leider mit verheerend kleinen Knopferln) und eine Bose-Anlage mit Subwoofern und 8 Lautsprechern.
Ein Italiener mit gutem Stammbaum, großer Sehnsucht und einem hellen Wesen
Text: Susanne Hofbauer, Fotos: Schilling & Riedmann
Erste Erregung: die Stimme. Wie der raue Ton geschmeidig aus dem Orchestergraben klettert, sich zärtlich mit kleinen Widerhaken aus Röcheln und Räuspern im Trommelfell festsetzt und weitersteigt bis tief hinein ins zentrale Nervensystem. Den Ingenieur, der diesen Motor mit Stimmgabel und geschlossenen Augen zu einem brodelnden Instrument umgebaut hat, sollte man einen Maestro nennen. Das ist Allegro-Andante-Presto in einem Atemzug.
Eine irrationale Angelegenheit, das Thema GTA, aber wie sollte es anders sein. Dieses Güte-Kürzel hat unglaublich viel zu erzählen. Von den blaublütigen Renntagen der Sechziger, von vier dünnhäutigen Giulia GT-Versionen (das A steht für Alleggerita, was Leichtbau meint), von Alfa-Göttern, die Vittorio Jano und Carlo Chiti hießen. Und jetzt, nach all den Jahren, gibt es wieder so eine leidenschaftliche Maschine, so ein schnelles Gerät der Liebe, dem die moderne Zeit freilich ein bisschen andere Vorzeichen gesetzt hat.
Das kompromisslose Dünnhungern zur gewichtstechnischen Beschleunigung ist nicht mehr zeitgemäß. Der 156 GTA wurde wohl schlank gehalten, man hat hauptsächlich an den Radaufhängungen und am Motor ein paar Kilo eingespart, das eigentlich Leichte entspringt aber einer anderen Quelle.
Der GTA hat eine Beweglichkeit, die in den Tagen der elektronisch verschnürten Super-Fahrmaschinen à la BMW, Porsche und Co. ihresgleichen sucht. Dieses Auto fordert seinen Fahrer, es unterhält ihn und es hält ihn lebendig mit seiner ausgeschlafenen Technik. Willkommen in einer Welt des Über- und Untersteuerns, des kunstvollen Gegenlenkens und des smarten Carvens per Gaspedal. Wie sich dabei Kraft mit Grazie paart ist eine echte Freude.
Bester Parameter der Vergnüglichkeit: die Lenkung. Herrlich direkt, ohne anstrengend zu sein. 1,7 Umdrehungen bis Anschlag, Präzision im Millimeterbereich. Griffiges Lederlenkrad, eine schöne Hand voll. Der Nachteil der Ambition sind dann die 12 Meter Wendekreis, aber das tut hier nichts zur Sache.
Das Zentrum deines Nervensystems ist der Punkt, wo die Wärme herkommt. Er liegt immer vor dir, dieser Motorraum, dem 250 PS mit einer Klangfarbe in festlichem Tiefrot entströmen. Die krafttechnische Peilung hat sich vorrangig an der Verträglichkeit mit dem Vorderradantrieb gerichtet, sagen die Ingenieure. Im Prinzip handelt es sich um den alten Alfa-V6, der durch geschärfte Nockenwelle, andere Kolben und gestreckten Hub auf 3,2 Liter Hubraum angewachsen ist. Die 300 Nm verteilen sich dickflächig übers ganze Kennfeld, Stoff geht auch noch in der Sechsten bei Niedrigtouren; wenn man zwei Gänge runterhakelt, reißen dann alle himmlischen Bläser an. Schreiendes Wohlgefallen bei 7000 Touren, das Ausdrehen gipfelt jedesmal in bester Lebensfreude.
Der 156 bringt durch ausgereifte Fahrwerksgeometrie seine Power gut auf die Straße. Der Nachfolger 157 soll später einmal Allrad haben, hört man, aber das muss einen, bei der derzeitigen guten Auflage, eigentlich noch nicht interessieren. Das rege Eingreifen der Traktionskontrolle fällt auf, abschalten will man sie aber nicht. Es ist kein rigoroses Abwürgen, sondern ein kleinweises Abdrehen, das die Räder am Drehen und den Wagen stabil hält.
Und selbstverständlich: Mächtige Bremsanlage, Brembo, ABS mit Bremskraftverteiler. Die Pedalerie ist zartfüßig, die Gummi-Noppen am dekorativen Loch-Alu geben Grip. GTA kommt serienmäßig mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe (sowohl Limousine als auch Sportwagon), gegen Aufpreis kann man sich auch die halbautomatische Selespeed-Schaltung antun, deren Reaktionsschnelligkeit beim Gangwechsel ordentlich verbessert worden ist.
Joystick und Schalt-Schmetterlinge am Lenkrad? Wem bei den hüftschmalen Leder-Rennsitzen im kantigen Zuschnitt der Siebziger das Herz aufgeht, der wird sich über moderne Spieltechnik so seine Gedanken machen.
Und bei aller Hetz, der Klassik ist er schon sehr verhaftet, der GTA. Allein wie vorsichtig man sich über die äußere Sportverbrämung gemacht hat. Eine tiefe Frontschürze mit entsprechender Motorbeatmung, feistere Backen wegen der verbreiterten Spur und am Heck ein grazil eingeschnittener Diffusor.
Der Rest ist unverändert 156. Auf dessen Schönheit Alfa nach wie vor immens stolz ist.
156 facelift
Auf der Höhe
Von der Verbesserung des Guten
Irreführender Jargon: Nein, das Gesicht des 156 wurde kein bisschen verändert. Sind ja nicht blöd, die Alfa-Leute. Unter dem Kleid aber, das immer noch so schön wirkt wie am ersten Tag, war man hübsch zugange: Einen herausragenden neuen Motor hat der 156 mit dem JTS gekriegt. Es ist dies ein 165 PS starker Benzindirekteinspritzer, der den 2,0-Liter-Twinspark ersetzen wird. (Mehr darüber auf Seite 62). Weiters vermeldet der 2,4-Liter-JTD einen Leistungsgewinn von 10 PS (jetzt 150), das Selespeed-Getriebe schaltet in der neuen Generation schneller, es gibt ab nun serienmäßig Stabilitätskontrolle und zum Wohle des Fahrers extrarutschfeste Sitzbezüge, ein neues Lenkrad und eine ergonomischere Cockpit-Anordnung. Zu den bemerkenswerten Extras gehören ein CD-Player (leider mit verheerend kleinen Knopferln) und eine Bose-Anlage mit Subwoofern und 8 Lautsprechern.