PDA

Vollständige Version anzeigen : Fiat Konzern: Nur noch gebrauchte Ersatzteile


Alfistus
30.01.2002, 23:17
Hallo,

heute habe ich von einer Quelle, die sehr zuverlässig ist und ihr Ohr an einem grossen Automobil-Club hat, gehört, dass der Fiat Konzern vor einigen Wochen die Weisung herausgegeben hat nur noch gebrauchte Ersatzteile bei Reparaturen zu verwenden. Das soll somit auch direkt unsere Alfas betreffen!

Laufen soll das 'Recycling' tatsächlich so, dass defekte Teile in ein osteuropäisches Land geschickt und dort wieder Instand gesetzt werden. Eine defekte Lichtmaschine erhält dort beispiesweise neue Kugellager und wird dann als 'neu' - oder zum Neupreis? - wieder eingesetzt.

Aufgekommen soll das Ganze an einem Ducato sein, der nicht alt ist, einige Reparaturen hatte und bei dem dann - vom Automobilclub? einer anderen Werkstatt? - festgestellt wurde, dass er aus einem Haufen Altteilen besteht.

Das hört sich für mich alles wahrhaft mafiös an und fällt mir schwer einzuschätzen. Ich habe prinzipiell nichts gegen wieder hergestellte Teile einzuwenden, lange war der Schrotthändler mein bester Freund, doch sicherlich haben wir ein Recht zu wissen, ob neue und teure Teile eingesetzt werden, oder alte und ebenso teure. Doch von einer Wahlmöglichkeit zwischen Alt- und Neuteilen habe ich noch nichts gehört.

Auf alle Fälle ist es ratsam bei Reparaturen genau nachzufragen, was für Teile da reinkommen sollen. Momentane Lieferverzögerungen bei Ersatzteilen sollen übrigens durch die gerade laufenden Umstellung begründet sein, der 'Rückfluss' muss erst in Gang kommen.

Da diese Meldung so unglaublich ist, hoffe ich durch eure Beiträge und Diskussionen Licht in dieses Dunkel zu bekommen, denn es liegt mir absolut fern abstruse Gerüchte in die Welt zu setzen.

Carabinieri
30.01.2002, 23:48
Es gibt jetzt zur Zeit in Italien den Skandal, daß eine Firma alte Alitalia-Boeings ausschlachtet und die Teile als "neu" verkauft bzw. in Flugzeuge einbaut...super!

Aber von wegen FIAT bzw Alfa...da hat Dich Deine Quelle gelackmeiert.....

Aber im Ernst: wer weiß, was hinter den Kulissen geschieht?

C U

R. Senn
31.01.2002, 09:34
Zu diesem Thema habe ich auch noch ein Gerücht.
Bei neuen Computern gibt es immer wieder einen sog. DOA (Dead on arrival). Die Geräte werden vom Hersteller bzw. Distributor zurückgenommen und vielfach in die Einzelteile zerlegt. Der Komponent, der zum DOA geführt hat (Mainboard, HD usw.) wird an den Hersteller (Japan, China usw.) zur Austauschgarantie zurückgesandt. Diese Komponenten werden dann teilweise in Hinterhöfen repariert und in die Produktion von Assemblierer zurückgeführt. Es gibt einige NoName Hersteller, die praktisch ausschliesslich mit solchen Komponenten arbeiten. Deshalb verwenden die namhaften Hersteller ausschliesslich A1 Komponenten, d.h. Teile die aus der Produktion des jeweiligen Herstellers kommen und nicht über den Reparaturmarkt.

Bei den Autoherstellern werden schon immer für den Ersatzteilbadarf wiederaufbereitete Teile verwendet. Die ist OK wenn die Teile auch entsprechende Preise haben und als recycled deklariert sind. Ich spreche dabei nicht von Fälschungen. Ein wiederaufbearbeitete (Original)-Kupplung ist vielfach sogar besser als das Original.

Beim erwähnten Fall des Fiat Konzerns müsste es dsoch im Rahmen der ISO Norm auch eine Deklarationspflicht geben. Leider habe ich da zu wenig Kentnisse.

R.Senn

33-146
31.01.2002, 12:55
Hi,

Lichtmaschinen, Wasserpumpen, Zylinderköpfe, Austauschmotoren, Kupplungen, Getriebe, Reifen, Kühler und noch einige andere Teile werden seit Jahrzehnten im Austausch angeboten.
Im Austausch deswegen, weil die Teile i.d. Regel aufgearbeitet werden und dann als Austauschteil wieder weiterverwendet werden.
Ein Austauschzylinderkopf enthält z.B. normalerweise alle beweglichen Teile als Neuteile, das gebrauchte Gehäuse gestrahlt, geprüft und - wenn nötig - instandgesetzt.
Daß das in Spanien oder in den Ostblockländern (früher Motoren aus Holland) geschieht, ist auch schon seit ewigen Zeiten so wegen der niedrigeren Löhne.

Bei den o.g. Teilen ist es normalerweise so, daß man, wenn man sein altes Teil abgibt, auch ein regeneriertes Teil bekommt.
Neuteile sind da ausdrücklich gekennzeichnet, wobei der Preis dann schon alleine das Teil als neu kenntlich macht...

Ich verstehe die Aufregung der Journaille nicht, denn was da mal wieder als Sensation verkauft wird, ist doch nur konsequent recourcensparend und sinnvoll.
Aber heute macht man sich eben seine Sensationen, wenn man keine findet...


Grütze
von
Thomi

R. Senn
31.01.2002, 14:13
@33-146

:-]

René

Martin der Bär
31.01.2002, 17:44
...hab ich mir gedacht daß sie das eh schon längst machen ?

LG

33-146
31.01.2002, 19:55
Hi,

@Martin:

Das klingt jetzt von Dir aber doch etwas so, als wenn Du davon ausgehst, daß wir schon immer hinter's Licht geführt worden sind.
Dem ist nicht so, denn es wäre doch nicht nur Geld-, sondern auch Recourcenverschwendung, wenn man gleich einen ganzen Motor in die Tonne kloppt, weil z.B. die Kurbelwellenlager ihren Geist aufgegeben haben.
Normalerweise ist es auch billiger, einen Zylinderkopf mit verbogenen Ventilen zu demontieren, nach Polen zu schicken, dort aufarbeiten zu lassen und dann wieder als Austauschteil zu verbauen.
Als Selbstschrauber sieht man das natürlich anders, wenn man für ein Modell nur noch ganze Köpfe als Austauschteil zu haben sind statt der einzelnen Ventile. Da muß man nämlich nicht mit den teuren Werkstattstunden hierzulande rechnen.

Grütze
von
Thomi

Alfistus
01.02.2002, 11:05
Hallo Leute,

mir ist durchaus bewusst, dass defekte Teile sinnvollerweise wieder hergerichtet werden. Ich habe oft genug davon profitiert!

Beim beschriebenen Deal soll es aber eben so ablaufen, dass das recyclte Teil mit Garantie als Neuteil verkauft und verrechnet werden soll. Ich denke, dass passt keinem.

Die 'Quelle' - ich kenne kaum eine vertrauenwürdigere Person - meinte, dass das Thema momentan ziemlich gedeckelt wird, weil es so sehr brisant ist. Von der Journalistenmeute habe ich im übrigen noch nichts zu dem Thema gehört.

Es passt eben alles so schön zusammen - die Finanzlage von Fiat, die Idee, die Teile zu überholen, mit Garantie zu versehen, zu sagen, sie seien dadurch neu, Probleme in der Ersatzteilbeschaffung, und die Infos aus dem Automobilclub.

Ich sehe schon, ihr glaubt das nicht, mir fällt es ja auch schwer. Mal sehen, was man da noch erfahren wird.

33-146
01.02.2002, 11:54
Hi,

@Alfistus:

Ich weiß nicht, was an Deiner Geschichte nicht zu glauben sein soll.
Es ist doch schon immer so wie Du es schreibst.
Diese Anweisungen kenne ich schon aus meiner Zeit als ich für diverse Autofirmen und Zulieferer gearbeitet habe (und das ist bis über 10 Jahre her).
Beim Ersatzteilkauf ist man sowieso auf Gedeih und Verderb bei speziell für den Autotyp hergestellten Teilen auf die Preisgestaltung des Autoherstellers angewiesen.

Grütze
von
Thomi

Alfistus
01.02.2002, 13:53
Hi Thomi,

dann war ich also immer so naiv zu glauben, dass die schön verpackten 'Originalersatzteile' auch neue Teile sind und hab' aus versehen gebrauchte, wenn auch überholte Lichtmaschinen etc. gekauft?!

TSM156
01.02.2002, 17:34
Ich habe in einem Bericht (im TV) sogar mal gehört, dass auch Mercedes ein Ersatzteil-Center betreibt, in dem Alt-Teile überholt und wieder verkauft werden. Allerdings weist Mercedes meines Wissens nach darauf hin, dass es sich nicht um Neuteile handelt.

TSM156

Paul
01.02.2002, 22:50
Hallo,

die Fahrer von VW, Opel, Ford etc. haben es etwas leichter in
Deutschland an Ersatzteilen ranzukommen, ohne das sie sich
beim Vertragshändler die teuren "Originalersatzteilen" kaufen müssen. Die meisten grösseren Autoersatzteile Händler (Stahlgruber, Schötz, Michel) bieten Neu- und überholte Ersatzteile an zu weit günstigeren Preisen als die Vertrags-
werkstätten. Warum soll ich z.B. einen Ölfilter kaufen, wo Alfa Romeo auf der Verpackung steht und bekomme das gleiche Ding,
womöglich auch vom selben Hersteller woanders billiger.
Leider ist jedoch wie gesagt in Deutschland die Auswahl für AR Teile nicht die selbe wie für die gängigen Deutschen Marken.
Zum Thema gebrauchte Teile:
Es ist klar eine Frechheit ein gebraucht bzw. überholtes (AT) Teil
als Neuteil zu verkaufen.
Ich meinerseits, hätte kein Problem eine AT Lichtmaschine einzubauen, wenn die Kosten entsprechend niederiger als für ein Neuteil ausfallen.
Ich bin in der Luftfahrtbranche tätig und kann berichten, dass sehr viele Aggregate und Komponente repariert und überholt werden. Diese Teile werden von Fachpersonal und von den Herstellern überholt, instandgesetzt, überprüft und zertifiziert.
Allerdings werden diese Teile NICHT als Neuteil, sondern als gebraucht bzw. überholt an den Kunden mit entsprechendem Nachlass verkauft. Diese Teile sind aber so gut wie Neuteile.
Also was für Flugzeuge gut ist kann für das Auto nur recht sein.

Gruss

Paul

33-146
02.02.2002, 17:18
Hi,

dann war ich also immer so naiv zu glauben, dass die schön verpackten 'Originalersatzteile' auch neue Teile sind und hab' aus versehen gebrauchte, wenn auch überholte Lichtmaschinen etc. gekauft?!

... jetzt nicht böse werden, aber scheinbar warst Du's, denn die Austauschteile werden immer als Austauschteile angeboten, d.h. eine Lichtmaschine im Austausch ist immer als solche gekennzeichnet. Als Neuteil dürfen diese Teile nicht verkauft werden, sonst wäre es Betrug. Darauf wird sich kein Hersteller im großen Stil einlassen.
Es ist auch relativ einfach, Austauschteile zu erkennen (außer den Verkäufer zu fragen oder die Verpackung zu studieren):
Wenn ich ein Altteil abgeben soll für ein "Neuteil" oder bei Abgabe eines Altteils einen Preisnachlaß auf das Teil bekomme, dann ist es normalerweise ein regeneriertes Teil.

Echte Verschleißteile gibt es heute kaum im Austausch, obwohl früher Trommelbremsbacken mit genieteten Belägen häufig neu belegt wurden.

@Paul:
Heutzutage bekommt man auch schon eine Menge Teile für aktuelle Alfa-Modelle (etwa ab 145/146) bei den von Dir genannten Händlern oder z.B. bei www.duw.de .
Das war mit den Modellen aus den 80ern wesentlich schlechter.


Grütze
von
Thomi

Visconti
02.02.2002, 19:37
Tach zusammen!
Scusi Thomi und Alfistus, ich glaube, Ihr redet an einander vorbei! Wenn ich das Ausgangspost richtig gedeutet habe, so besteht der Skandal darin, dass Ersatzteile als NEU deklariert werden, obwohl es sich tatsächlich um aufgearbeitete GEBRAUCHTteile handelt.
Damit wäre dann wohl der Tatbestand des Ettikettenschwindel gegeben. Könnte ich mir zumindest denken, bin ja kein Jurist. In jedem Fall wäre es einwandfreier Betrug.
Anders liegt der Fall bei AT-Teilen. Hier wird der Käufer auf den Sachverhalt ausdrücklich hingewiesen und weiß, dass es sich nicht um Neuteile handelt!
Es stimmt, dass Mercedes-Benz eines der größten Motorenaufarbeitungszentren überhaupt hat. Jedoch verkauft Mercedes diese instandgesetzten Motoren auch nicht als NEU. Somit wäre daran auch nichts verwerflich. Wenn FIAT allerdings in oben beschriebener, betrügerischer Art und Weise vorgeht, dann Gnade ihnen Gott...

33-146
03.02.2002, 17:36
Hi,


... und jetzt glaubt ihr, FIAT wird in Zukunft aufgearbeitete Ersatzteile als neu verkaufen?
Nein - es ist schon so, daß in dem Schreiben, aus dem Alfistus zitiert, die gängige Praxis nur intensiviert werden soll. Diese Aufforderung haben alle Hersteller, die am EU-Teileverwertungsprogramm teilnehmen, an ihre Händlerschaft geschickt. Die Teile werden auch weiterhin nicht als neu verkauft.
Auf einen solchen Betrug, wie ihn hier vielleicht mancher wittert, kann sich kein Autohersteller (außer vielleicht Opel bei den derzeitigen Absatzzahlen ;) ) einlassen.
Wenn ein Händler dann die Teile ausdrücklich als neu verkauft und den Neuteilepreis berechnet, dann ist das Betrug, wie ich vorher schon schrieb. Die Gefahr liegt also eher beim Händler, weil man die Verpackung in der Regel nach dem Einbau durch die Werkstatt nicht zu sehen bekommt.


Grütze
von
Thomi