Ein Bericht über meine persönlichen Eindrücke vom neuen Alfa Romeo Brera
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Zu aller erst: ich schreibe ganz bewusst in der Überschrift das es sich hierbei um persönliche Eindrücke handelt. Dieses soll kein neutraler Testbericht sein sondern meine individuellen Erfahrungen wieder geben.
Fangen wir an: nachdem ich die letzten 6 Monate das Vergnügen hatte den letzten Alfa GT mit dem klassischen 6 Zylinder zu fahren und mit dem Fahrzeug rund 14.000 Kilometer zurücklegte, erhielt ich letzte Woche eine Email dass ich einer von 5000 ALFA Testern sein und für 24 Stunden ein Fahrzeug meiner Wahl zur probe fahren darf.
Da ich vorletzte Woche bereits den 159 2,4 JTDM gefahren war, wollte ich unbedingt den neuen 6 Zylinder mit Allrad probieren. Gesagt – getan.
Mein ortsansässiger Händler war sehr spontan und bot mir an, den Brera direkt nach Ostern für 24 Stunden zu testen.
Zum Fahrzeug selbst: der Wagen hattte so ziemlich alles drin was wohl geht.
Skyview, Navi, elektr. Sitze mit Memory, Alarmanlage, 18“ Felgen usw.
Macht unterm Strich einen Preis von gut 49.000€. Puhh, bis vorgestern wusste ich noch nicht dass man inzwischen einen Alfa für 100.000 DM kaufen kann.
Im Vergleich dazu kostete mein Alfa GT vor 6 Monaten noch 42.000€, und der hatte auch Navi, 18“ Felgen, Leder und darüber hinaus noch Xenon was dem Brera fehlt.
Das sind immerhin 16.000 DM Unterschied.
Das Design: der Alfa GT polarisierte. Unter den Alfa-Fans teilweise heftig umstritten, fand der Alfa GT in der breiten Öffentlichkeit ungeteilte Aufmerksamkeit. Da ich kurz nach Erscheinen des GT bereits 1 Jahr lang den 2,0 JTS fuhr, kann ich diverse lustige Geschichten erzählen. Ich bin mir sicher, die Massagepraxen haben einen deutlichen Anstieg an verspannten Nackenmuskulaturen feststellen können.
Ähnlich, wenn nicht sogar noch intensiver ist die Reaktion auf den Brera.
Für eine halbe Stunde in unserer Stadt am Marktplatz auf den Parkplatz gestellt konnte ich vom 100 Meter entfernten Eiscafé wunderbar beobachten wie Leute jeglicher Altersklasse am Brera stehen blieben, Ihn intensiv betrachteten und mit der Ehefrau oder den Freunden intensiv diskutierten. Der Brera ist ein absoluter Hingucker, keine Frage. Ob man ihn schön findet muß jeder selbst entscheiden, ich persönlich finde ihn perfekt. Den Alfa GT übrigens auch.
Im Innenraum unterscheiden sich GT und Brera hingegen deutlich. Basierte der GT noch auf der Bodengruppe des Alfa 156 und erbte teilweise das Interieur des Alfa 147, so ist der Brera zusammen mit dem Alfa 159 und dem kommenden Alfa Spider (dessen Innenleben sich die Drei teilen) eine komplette Neuentwicklung.
Leider wurde auf die tief liegenden Tachoanzeigen verzichtet. Vielleicht ein Tribut an die deutsche Fachpresse. Die Mittelkonsole ist sehr wuchtig und mit einer Aluminium Applikation versehen. Augenscheinlich handelt es sich um echtes Metall und nicht um eine Attrappe, aber die Passgenauigkeit sollte einen Auto dieser Preisklasse anders sein. Auch die Alueinsätze im Lenkrad sind nicht unbedingt perfekt eingearbeitet. Ansonsten wirkt aber alles solide, die verwendeten Materialien haben eine gute Haptik und es ist fast alles da wo man es finden will. Abgesehen von den billig wirkenden Innenraumleuchten.
Der GT war da sicherlich nicht besser, insofern hat Alfa einen deutlichen Schritt nach vorne und in die richtige Richtung gemacht.
Allerdings hatte ich enorme Probleme mit den Sitzen. Sie sind bequem, bieten aber kaum Seitenhalt und man sitzt unglaublich hoch. Bei 180c Körpergröße musste ich die Neigung der Rückenlehne ungewohnt weit nach hinten stellen. In solch einer Sitzposition fahre ich normalerweise nicht, aber man kann sich dran gewöhnen.
Da war der GT anders. Auch dort saß man recht hoch, aber der Sitz war wie für das Auto geschaffen. Wie ein maßgeschneiderter Anzug umschloss er den Körper und bot perfekten Halt in jeder Haltung und gleichzeitig enormen Langsteckenkomfort. Sorry Alfa, dass konntet Ihr schon viel besser.
Der Motor:
Der alte 6 Zylinder mit seinen polierten Krümmerrohren (oder sind es doch die Ansaugrohre? Ich weiss es nicht) war ein Klassiker. Aber er lebte nicht nur von der optischen Schönheit. Unter 4000 U/min lebt er von über 300Nm Drehmoment, um dann bei 4000 Umdrehungen wahrlich zu explodieren. Dazu eine akustische Begleitung die für permanente Gänsehaut sorgte und die Anschaffung einer Audioanlage zu Unsinn degradierte. Mein Bose System habe ich nie benutzt und die meiste Zeit bin ich, wenn es das Wetter erlaubte, mit offenem Fenster gefahren.
Ganz anders der neue Motor. Untenrum gefühlt kaum mehr Kraft, dafür oben rum keinerlei Explosion, wirkt er 5.500 U/min schon fast ein wenig zugeschnürt. Die Kraftentfaltung ist ganz anders: gleichmäßig zieht er von unten durch ohen jegliche Überraschung. Mein persönliches Gefühl: der neue Motor hat unten mehr Kraft, dafür wird er oben rum im Verhältnis zum alten schwächer.
Aber man muß auch ganz klar sagen: der Brera wiegt über 300 Kilogramm mehr. Damit hat der neue Motor sicherlich zu kämpfen.
Aber was ist das für ein Verbrauch? War der alte schon kein Sparfuchs, so legt der Neue noch mal einen drauf.
Beim GT hatte ich einen Schnitt von 12,5 – 13 Liter, bei Vollgasfahrten über längere Zeit ging es deutlich in Richtung der 20 Liter. Der neue genehmigt sich aber jetzt schon 19,9 Liter.
Und ich bin von den kapp 100 Kilometern mal gerade 10 Kilometer Vollgas gefahren. Der Rest war Warmfahren, cruisen auf der Autobahn bei 140-160 und 10 Kilometer Stadt. Ganz ehrlich? Das hat mich echt erschreckt.
Darüber hinaus ist der neue Motor eine Enttäuschung in Punkto Klang, wenn man gerade vom alten 3,2er kommt. SCHADE.
Im Bezug auf die Fahrleistungen ist es schwierig, ein gerechtes Urteil zu finden. Aber eines ist klar: auf meinem Testautobahnabschnitt (ca. 4 Kilometer) kam der GT deutlich über 230 km/h lt. Tacho. Der Brera kämpfte sich mit Müh und Not an die 220er Marke ran. Sind das die 300 Kilo Mehrgewicht schuld?
Das Fahrwerk:
Hier kommt die absolute Stärke des Brera. Das Fahrwerk ist stabil bis in den letzten Winkel, Kurvengeschwindigkeiten fast jenseits der bisher gekannten Grenzen sind möglich, und wenn man es wirklich übertreibt greift die Elektronik ganz sanft ein. Manchmal fast unmerklich.
Selbst wildeste Slalomfahrten können kein Unter- oder Übersteuern erzeugen, In Kurven einbremsen ist mit dem Brera die reinste Freude.
Und seine Kraft bringt der Allradantrieb perfekt auf die Strasse. 4000U/min im Stand und dann die Kupplung kommen lassen und der Brera springt wie eine Raubkatze nach vorne.
Und der Federungskomfort ist auch sehr gut.
Hier war der GT ganz anders. Stuckernde Vorderachse, ein sehr hartes, in Verbindung mit 18“ jeder Spurrille nachlaufendes Fahrwerk, recht geringer Federungskomfort.
Ganz deutlich ein Riesen Applaus an Alfa. Das habt ihr klasse gemacht.
Trotzdem kommt jetzt leider ein ABER.
Denn…. für meinen Geschmack war der GT fahraktiver. Ich merkte in jeder Sekunde was der GT machte. Popometer und Hände wurden permanent mit Informationen gefüttert, und im Grenzbereich sagte der GT ganz deutlich: „Gleich ist Schluss“.
Hier wirkt der Brera wie in Watte gepackt.
Wenn ich einen Sportwagen will, dann ist mir der GT der ehrlichere Partner.
Fazit: In Sachen Verarbeitung und Fahrwerk hat Alfa einen gewaltigen Schritt nach Vorne gemacht. Dass wird (wenn der Preis die Leute nicht abschreckt) dafür sorgen dass man in Zukunft mehr Alfa´s auf der Strasse sieht. Und das zurecht.
Mein persönliches Fazit sieht aber anders aus:
Der Brera zielt vermutlich auf ein neues Kundenklientel. Daher ist alles leichtgängiger (Bedienung, Kupplung, Lenkung) und das Auto ist „smoother“.
Mir als alten Alfa Fan ist es aber zu weich, zu verschwiegen und gefühlslos.
Sportwagen müssen nach meinem Gefühl leben, dir was mitteilen und dich reizen, kitzeln, den Gasfuß provozieren. Der GT konnte das (bei mir), der Brera nicht.
Wie sagte meine Freundin? Der Brera ist ein Blender!
Sehr krass ausgedrückt, dass würde ich so nicht unterschreiben. Aber er ist in meinen Augen nicht dass was er von Aussen verspricht.
Wenn Alfa, dann den GT 3,2 V6 oder einen GTA.
Oder noch besser: den Brera um 400 Kilo leichter, mit dem alten 3,2 Liter Motor und den GT Sitzen
